Ein Netz von Freundschaften hilft Vampirfledermäusen über harte Zeiten – sofern sie vorher ausreichend Allianzen geschmiedet haben. Das haben Biologen jetzt mit einem Experiment herausgefunden. Diejenigen Vampirfledermäuse, die ihr Essen mit Familien- und Nichtfamilienmitgliedern teilen, haben höhere Chancen, selbst mit Nahrung versorgt zu werden, wenn sie in Not geraten.

Ihre Ergebnisse stellen Gerald Carter und Kollegen vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama im Fachmagazin "Biology Letters" vor. Die Wissenschaftler untersuchten, wie Vampirfledermäuse darauf reagieren, wenn einzelne Individuen ihrer Gruppe in einen Nahrungsengpass geraten. Für den Versuch haben sie Gruppen von etwa 30 Gemeinen Vampiren (Desmodus rotundus) beobachtet und erfasst, wie die Tiere sozial miteinander verbunden waren.

Bei weiblichen Vampirfledermäusen gilt offenbar die Devise: Je mehr Beziehungen ein Tier hat, desto größer ist die Überlebenschance. Darum ist es für jedes Gruppenmitglied nützlich, viele Beziehungen zu pflegen, indem sie andere mit einer hochgewürgten Blutmahlzeit füttern. Während manche damit recht freigiebig sind, beschränken sich andere auf nah verwandte Tiere, meistens die Mutter oder eine Tochter.

In ihrem Forschungsprojekt sonderten die Wissenschaftler einzelne Fledermausweibchen von ihrer Gruppe ab. In dieser Zeit durften die Tiere nichts fressen. 24 Stunden später wurden sie wieder in die beobachtete Gruppe integriert, aus der dann aber der jeweils wichtigste Verbündete entfernt worden war. Anschließend beobachteten Carter und seine Kollegen, wie viel Nahrung die Fledermäuse von den verbliebenen Artgenossen bekamen und wie gut sie in der Folge mit der veränderten Situation klarkamen.

Es stellte sich heraus, dass jene Fledermausweibchen, die vorher vielen anderen Nichtverwandten geholfen hatten, weniger Probleme hatten. Denn offenbar revanchierten sich die Artgenossen für die zuvor erhaltene Nahrung. Die "Kosten", die die Tiere bei der Beziehungspflege getragen haben, zahlten sich also in Notzeiten aus.

Den nachtaktiven Vampiren gelingt es nicht, bei jedem Beutezug eine ausreichende Menge Blut zu erjagen. Zudem dauert es nicht lange, bis sie verhungern. Auf ihr soziales Netz müssen sie darum vergleichsweise häufig zurückgreifen.