Pünktlich zum 100. Jubiläum der Entdeckung der Venus von Willendorf haben Wissenschaftler herausgefunden, dass der Kalkstein aus dem die berühmte Figur gefertigt wurde, aus Mähren stammt.

Weil die Geoarchäologen Alexander Binsteiner und seinen Kollegen dem kostbaren Stück keine Proben entnehmen konnten, war das Mikroskop ihr einziges Werkzeug. Der Blick durch das Okular offenbarte, dass es sich bei dem Kalkstein um einen so genannten Oolithen (von oon, griech.: Ei und lithos, griech.: Stein) handelt – eine relativ seltene Varietät, die aus lauter kleinen Karbonatkügelchen besteht. Diese auch Erbsen- oder Roggenstein genannte Sedimente entstehen, wenn Kalk in bewegtem Wasser ausfällt.

Ein Vergleich mit bekannten Vorkommen führte die Forscher ins Kalksteinmassiv Stránska Skála nahe der tschechischen Stadt Brno (Brünn), rund 260 Kilometer von Willendorf entfernt. Binsteiner vermutet, dass die Figur dort gefertigt wurde und mit einer Gruppe von Jägern und Sammlern, der auch der Künstler angehörte, nach Niederösterreich kam.

Die etwa elf Zentimeter große Frauenfigur mit ihren prägnanten Rundungen ist um die 25 000 Jahre alt und wurde 1908 bei Bauarbeiten in Willendorf in der Wachau, etwa 80 Kilometer westlich von Wien geborgen.

Geeske Pfeiffer