Aussterben geschieht nur selten "auf einen Schlag", auch wenn sich das Klima drastisch ändert. Deshalb überdauerten auch einige abgelegene Mammutpopulationen das Ende der letzten Eiszeit, als die Erwärmung der nördlichen Breiten ihnen die Lebensgrundlage entzog und menschliche Jäger den schrumpfenden Beständen immer weiter nachstellten. Auf der russischen Wrangell-Insel etwa überlebten Wollmammuts bis vor etwa 4000 Jahren und damit in eine Zeit, in der schon Pyramiden errichtet wurden. Und auch auf der kleinen Insel St. Paul in der Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska harrte eine kleine Zahl der Tiere über Jahrtausende aus, bis der Bestand doch vor etwa 5600 Jahren erlosch, wie eine Datierung durch Russell Graham und seinem Team von der Pennsylvania State University zeigt. Zugleich legen die Wissenschaftler eine These vor, was die letzten Überlebenden hier schließlich doch ausrottete – tausende Jahre nach dem Schicksal ihrer festländischen Artgenossen.

Jäger waren hier am Niedergang nicht beteiligt, denn die ersten dauerhaften Spuren von Menschen stammen erst aus dem späten 18. Jahrhundert – bis dahin verschlug es wohl nur selten und kurzzeitig Ureinwohner der Aleuten auf das Eiland. Die örtliche Zwergform der Wollmammuts (Mammuthus primigenius) entstammte ursprünglich einer Population, die während der Eiszeit über ein riesiges Gebiet von Europa bis Nordamerika und dabei ebenso über die damalige, trockene Beringia-Landbrücke verbreitet war. Als die Gletscher schmolzen und der Meeresspiegel stieg, wurde die Verbindung zwischen Asien und Nordamerika überflutet und dabei einige Mammutbestände auf Inseln im Nordpazifik isoliert. Kleine Populationen in beschränkten Lebensräumen sind jedoch prinzipiell stark gefährdet, da schon begrenzte stochastische Effekte sie auslöschen können – etwa eine Naturkatastrophe oder ein verzerrtes Geschlechterverhältnis.

Dieses Schicksal traf laut Graham und Co die Rüsseltiere auf St. Paul: Je höher der Meeresspiegel stieg, desto kleiner wurde naturgemäß die Inselfläche, die heute nur wenig mehr als 100 Quadratkilometer beträgt. Gleichzeitig schwanden die Süßwasservorräte auf der Insel, wie die Forscher feststellten. Sie hatten die Überreste von Wasserinsekten und Kieselalgen in alten Seebecken untersucht und die Zusammensetzung der Sauerstoffisotope bestimmt. Beide Analysen deuten an, dass die Seen vor dem Aussterben der Mammuts über mehrere Jahrhunderte hinweg geschrumpft und verlandet sind. Das wurde auch durch den Stickstoffgehalt in Zähnen und Knochen verendeter Exemplare der Megafauna bestätigt, die zu unterschiedlichen Zeiten verstorben sind: Unter zunehmend trockenen Bedingungen veränderte sich ebenso ihre Nahrungsgrundlage. Diese lang andauernde Dürre und die prinzipiell schlechtere Wasserqualität der verbliebenen Gewässer sorgten schließlich dafür, dass der kleine Bestand der Mammuts vor Ort endgültig ausstarb, so Graham. Er belege, wie anfällig die Bestände von Arten, die nur auf Inseln vorkommen, gegenüber ökologischen Veränderungen sind.