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Verlandet das Mittelmeer?

Allgemein heißt es, durch die Klimaerwärmung steigen die Meeresspiegel an - und zwar nicht nur durch abschmelzende Gletscher, sondern auch durch die Ausdehnung aufgrund der höheren Wassertemperaturen. Verschiedene Messdaten scheinen das auch zu bestätigen. Nur das Mittelmeer wählt offenbar den entgegengesetzten Weg: Seit 40 Jahren sinkt dort der Wasserspiegel beständig ab. Verantwortlich dafür ist womöglich eine erhöhte Verdunstung und ein verringerter Zufluss von Süßwasser aus den umliegenden Landflächen. Beides erhöht die Salinität des Wassers, das aufgrund der größeren Dichte dann auch weniger Raum einnimmt.
Steigende Meeresspiegel sind ein mögliche Folge der Klimaerwärmung, vor der Forscher immer wieder warnen. Meistens denken sie dabei an abschmelzende Gletscher, deren Wassermassen dann in die Ozeane einströmen. Mit etwa einem Millimeter pro Jahr liefert aber auch die Wärmeausdehnung des Wassers einen kleinen, aber feinen Beitrag. Die höheren Oberflächentemperaturen haben mehreren Messstationen zufolge in den letzten hundert Jahren bereits für einen Anstieg von 10 bis 25 Zentimeter gesorgt.

Aber nicht alle Meere machen mit. Das Mittelmeer nämlich ist am Schrumpfen – seit 1960 nimmt sein Wasserstand kontinuierlich um 1,4 Millimeter pro Jahr ab. Michael Tsimplis vom Southampton Oceanograhy Centre macht dafür zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen könnte die Nordatlantische Oszillation (NAO) eine Rolle spielen. Dieses System von Luftdruckunterschieden wirkt sich vergleichbar dem El-Niño-Ereignis in den Tropen auf das Wetter in unseren Breiten aus. Der Forscher vermutet, dass sich durch den Einfluss der NAO die Evaporation über dem Mittelmeer erhöht hat. Wenn jedoch mehr Wasser verdunstet, steigt die Salinität. Damit nimmt auch die Dichte des Wassers zu, was einen Rückgang der Pegelstände an Gezeiten-Messstationen erklären würde. Als zweiten Faktor nennt Tsimplis den zunehmenden Bau von Dämmen, wodurch immer weniger Süßwasser in das gegen den Atlantik fast abgeschlossene Meeresbecken fließt. Die fehlende Verdünnung würde das Ansteigen der Salinität weiter unterstützen (Geophysical Review Letters vom 15. Juni 2000, Abstract).

Obwohl im Atlantik und dem Schwarzen Meer die Meeresspiegel weiter steigen, ist auch hier seit 1960 ein Abflachen der Kurve zu beobachten. Bis zu diesem Jahr hob sich der Pegel um 1,2 bis 1,5 Millimeter pro Jahr, doch seitdem ist jährlich nur noch ein Anstieg von 1,3 Millimetern zu beobachten. So geringfügige Änderungen zu messen, ist natürlich eine technische Herausforderung, zumal es nur wenige Messstationen entlang der Küsten gibt. Insbesondere im Mittelmeer erschweren die tektonischen Bewegungen der Kontinentalplatten präzise Datenerhebungen.

Fallende Meeresspiegel und Austrocknen sind für das Mittelmeer nichts Neues. Im Laufe des Tertiärs schloss sich die Verbindung zum Atlantik, woraufhin das Meer verlandete und sich große Salzlagerstätten bildeten. Erst gegen Ende des Zeitalters öffnete sich die Straße von Gibraltar und das Becken wurde erneut überflutet.

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