Von Art zu Art über mehrere Kontinente hinweg reisten einst die Vorläufer eines auch beim Menschen vorkommenden Virus. Wie eine Arbeitsgruppe um Welkin Johnson vom Boston College anhand einer umfassenden Suche in Gendatenbanken feststellte, kommen Viren der Gruppe ERV-Fc in nahezu allen Großgruppen der Plazentatiere vor. Anhand der Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Viren und Arten kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Vertreter von ERV-Fc vor etwa 35 Millionen Jahren erstmals bei Säugetieren ins Genom der Keimbahn eingebaut und so erblich weitergegeben wurden. Allerdings zeigen die Daten ebenso, dass die Erreger lange Zeit auch über konventionelle Ansteckung neue Arten infizierten.

Als ERV, also endogene Retroviren, bezeichnet man eine Klasse von Viren, die im Genom eingebaut und deswegen erblich sind. Im menschlichen Genom zum Beispiel gibt es sechs Kopien von ERV-Fc. Diese Viren waren sehr aktiv, sie verbreiteten sich in der Welt – und über Artgrenzen hinweg. Das zeigen die unterschiedlichen Stammbäume der Viren und ihrer Wirtsarten. Die vermutlich ersten Arten, die den Erreger in ihrem Genom trugen, waren nach den Analysen von Johnson und seinem Team die Vorläufer von Hunden und Frettchen. In ihnen vererbt sich ERV-Fc seit nahezu 35 Millionen Jahren. Indizien deuten jedoch darauf hin, dass die Viren sich danach immer noch aggressiv verbreiteten: Die verschiedenen Insertionen des Viruserbguts in die Keimbahn lagen bei einigen Arten bis zu zehn Millionen Jahre auseinander. Auch bei Primaten wurde der Erreger vermutlich in evolutionär junger Vergangenheit ins Genom integriert.