Dass Menschen länger brauchen, um sich über ein Ding, das sie nicht mögen, trotzdem positiv zu äußern, ist nichts Neues. Ein Anhänger des Fußballvereins 1. FC Nürnberg zum Beispiel wird im Allgemeinen ein wenig grübeln müssen, bevor er etwas Positives über den FC Bayern München verlauten lässt; ein CDU-Wähler braucht ein Weilchen, bis er Vorteilhaftes über die Partei "Die Linke" äußern kann. Auch wenn diese Prozesse unbewusst ablaufen, kann man das doch intuitiv nachvollziehen.

Forscher um Daria Knoch von der Universität Bern haben nun festgestellt, dass entgegen bisheriger Annahmen die längere Frist für ein positives Urteil über etwas, was man als negativ empfindet, nicht mit zusätzlichen Hirnprozessen zusammenhängt. Stattdessen zeigte sich bei den Experimenten, dass dieselben Hirnprozesse lediglich länger dauern, wenn man ein Vorurteil überwinden muss.

In ihren Experimenten führten die Forscher mit 83 Probanden einen so genannten impliziten Assoziationstest durch. Ausgesucht hatten sie sich Anhänger bestimmter Parteien oder Fußballklubs. Die Probanden mussten nun per Klick ausschließlich positive Begriffe auf einem Bildschirm entweder ihrer favorisierten Gruppe oder einer "Fremdgruppe" zuordnen. Dabei maßen die Forscher einerseits die Reaktionszeit. Andererseits erfassten sie mittels EEG die zeitlich und räumlich aufgelöste Hirnaktivität der Probanden.

Das Ergebnis: Das Gehirn durchlief von der Einblendung auf dem Bildschirm bis zum Klick in weniger als einer Sekunde sieben verschiedene mentale Prozesse. Anzahl und Reihenfolge blieben dabei gleich, egal ob der Proband ein Vorurteil überwinden musste, um einen Fußballverein oder eine Partei positiv zu bewerten, oder nicht. Stattdessen brauchten einige der Prozesse mehr Zeit, wenn die Fremdgruppe positiv beurteilt werden sollte. Die Forscher zeigen sich überzeugt davon, dass sich mit einer derartigen Kombination aus EEG-Messmethoden und psychologischen Tests neue Einblicke in die Zeitabläufe sozialer Entscheidungsprozesse gewinnen lassen.