Die Technik an Bord der Sonde Voyager 1 stellt einmal mehr ihre Zuverlässigkeit unter Beweis: Vier Düsen, die seit dem Vorbeiflug am Saturn vor 37 Jahren inaktiv waren, ließen sich jetzt bei einem Test anstandslos wieder in Gang setzen. Wie die NASA berichtet, sollen die Düsen, die ursprünglich für Kurskorrekturen vorgesehen waren, künftig die korrekte Ausrichtung der Raumsonde sicherstellen.

Eigentlich ist dies Aufgabe der Lagekontrolldüsen, doch deren Leistung ließ über die zurückliegenden Jahre immer mehr nach. Dadurch würde die Sonde früher oder später ihren Funkkontakt mit der Erde verlieren. Experten des Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena suchten darum nach einer Alternative und fanden sie in den seit Jahrzehnten ungenutzten Düsen am Heck der Sonde. Diese sind baugleich mit den Lagekontrolldüsen, allerdings wurden sie noch nie eingesetzt, um die ultrakurzen Impulse abzugeben, die zur Steuerung der Ausrichtung erforderlich sind: Dazu müssen sie jeweils nur rund zehn Millisekunden lang feuern.

Um die Düsen aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken, mussten die Experten jahrzehntealte Spezifikationen ausgraben. Die Steuersoftware war zudem in einer längst nicht mehr gebräuchlichen Assembler-Sprache geschrieben. Am 28. November 2017 ließen sie die vier Triebwerke zu zünden. Am 29. November erfuhren sie, dass das Experiment geglückt war. Dazwischen lagen genau jene 19 Stunden und 35 Minuten, die ein Funksignal von der Sonde zur Empfangsstation benötigt.

Das Team hinter Voyager 1 ist nun zuversichtlich, im Januar 2018 auf die vier wiedererweckten Düsen umschalten zu können. Dafür müssen allerdings auch vier Heizelemente in Betrieb genommen werden, was die dürftigen Energieressourcen der Sonde weiter belasten wird. Der derzeitige Plan sieht vor, wieder auf die geschwächten Lagekontrolldüsen zurückzuschalten, sobald nicht mehr genügend Energie für die Heizung zur Verfügung steht.

Insgesamt nährt der Erfolg des Tests jedoch die Hoffnung, "das Leben von Voyager 1 um zwei bis drei Jahre zu verlängern", wie JPL-Projektleiterin Suzanne Dodd erklärt.

Kein menschengemachtes Objekt befindet sich weiter von der Erde entfernt als Voyager 1: Die im August 1977 gestartete NASA-Sonde fliegt derzeit in einer Entfernung von fast 140 Astronomischen Einheiten oder 20,8 Milliarden Kilometern von uns entfernt durchs All – damit hat sie inzwischen sogar die Grenze zwischen Sonnensystem und interstellarem Raum hinter sich gelassen. Ebenfalls jenseits dieser Grenze, wenn auch nicht ganz so weit entfernt, ist ihre Schwestersonde Voyager 2. Auch sie könnte in absehbarer Zeit auf die Alternativdüsen umschalten. Um das Jahr 2025 herum wird die Energieversorgung der beiden zum Erliegen kommen, und damit auch der Kontakt zur Erde.