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Geotektonik

Vulkaninsel wächst und wächst

Aus zwei mach eins: Eine im Dezember neu entstandene japanische Vulkaninsel hat sich ihre größere und ältere Schwester einverleibt. Und die Ausbrüche gehen weiter.
Aus zwei mach eins: Nishino-shima

Wer lehrbuchhaft in Echtzeit verfolgen möchte, wie vulkanische Inseln entstehen und wachsen, muss zurzeit seinen Blick nach Japan richten: Dort durchbrach im November 2013 ein kleiner Vulkan den Meeresspiegel und bildete eine neues kleines Eiland – auf japanisch Niijima genannt. Es entstand rund 500 Meter von der Insel Nishino-shima, die ebenfalls vulkanischen Ursprungs ist, wo sich aber letztmals 1973/74 etwas tat. Mittlerweile sind beide miteinander verschmolzen und dehnen sich weiter aus, so dass die Landfläche kontinuierlich zunimmt. Für den Vulkanologen Erik Klemetti von der Denison University ein klassisches Beispiel, "wie Vulkaninseln im Lauf von hunderttausenden Eruptionen wachsen".

Der Beginn der Inselbildung
Der Beginn der Inselbildung | Im November 2013 durchbrach der Vulkan erstmals die Meeresoberfläche: Seitdem wächst seine Fläche kontinuierlich.

Nishino-shima gehört zur Bonin-Inselgruppe, die etwa 1000 Kilometer südlich von Honshu im Pazifik liegt. Hier taucht die Pazifische unter die Philippinische Platte ab, weshalb westlich der Inselkette eine Tiefseegraben verläuft. Das subduzierte Gestein schmilzt auf und nährt die örtlichen Vulkane – darunter den Erzeuger von Niijima. Mittlerweile hat die vereinigte Insel einen Durchmesser von mehr als 1000 Metern; zugleich erheben sich um die wichtigsten Lavaquellen zwei Vulkankegel mit einer Höhe von mehr als 60 Metern – dreimal so hoch wie im Dezember. Das erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit des Eilands beträchtlich, denn neu entstandene Vulkaninseln sind oft nur von kurzer Lebensdauer, weil Wellen und Meeresströmungen das nicht verfestigte Material leicht abtragen können.

Aus zwei mach eins: Nishino-shima
Aus zwei mach eins: Nishinoshima | Kontinuierlicher Magmanachschub aus der Tiefe lässt die Insel Nishinoshima im Pazifischen Ozean weiter wachsen. Im November, zu Beginn der oberirdischen Eruptionen, bestand das Eiland noch aus zwei Teilen.

Die Ausbrüche gehen momentan nahezu konstant weiter, so dass stetig neues Material aus dem Erdinnern an die Oberfläche gelangt und das Eiland konsolidiert. Diesen Eruptionstyp bezeichnet man als strombolianisch, weil permanent in unregelmäßigen Abständen heißes Gestein ausgeworfen wird. Er leitet sich vom süditalienischen Vulkan Stromboli ab, den diese Art der Aktivität kennzeichnet. Nishino-shima wurde schon bald nach ihrer Entstehung von Pflanzen und Tieren besiedelt; ohnehin gelten die Bonin-Inseln als eine Art Galapagos im Ostpazifik: Sie waren seit ihrer erstmaligen Entstehung vor etwa 48 Millionen Jahren nie mit einem Kontinent verbunden, weshalb sich auf ihnen eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln konnte. Ähnliche Ereignisse können auch in europäischen Gewässern stattfinden, wie die Geburt der isländischen Insel Surtsey vor etwas mehr als 50 Jahren belegt: Ausgehend von einem untermeerischen Vulkan entstand hier im Atlantik eine rund 140 Hektar große Insel, die bis heute Bestand hat.

15. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15. KW 2014

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