Je länger eine Beziehung Zeit zum Wachsen hat, desto weniger spielt das Aussehen der beiden Partner eine Rolle. Das schlussfolgern Psychologen aus einer Untersuchung von 167 Pärchen, die sie zu ihrer gemeinsamen Geschichte befragt hatten und anschließend hinsichtlich ihrer Attraktivität begutachten ließen.

Kann der "Beziehungsmarkt" sich im freien Spiel seiner Kräfte entfalten, tritt normalerweise ein Phänomen auf, das Evolutionspsychologen als "assortative Paarung" bezeichnen: Menschen suchen sich dabei einen Partner, der ungefähr ihrem eigenen wahrgenommenen Attraktivitätsniveau entspricht. Dahinter steckt möglicherweise ein Wettbewerb um die attraktivsten Artgenossen, in dem jeder Teilnehmer seinen eigenen "Marktwert" einschätzt. Die Analyse des Teams um Lucy Hunt von der University of Texas in Austin zeigte nun jedoch, dass dieses Phänomen umso stärker in den Hintergrund tritt, je länger sich zwei Menschen vor Beginn ihrer Liebschaft kennen.

Laut Cindi May, Psychologin am College of Charleston, gewännen in diesen Fällen Eigenschaften des Partners die Oberhand, die sie als "subjektive Attraktivitätsmerkmale" bezeichnet: Humor, Charme, allgemeine Persönlichkeit lassen den Partner anziehend wirken, auch wenn sein Aussehen vielleicht nicht auf Anhieb überzeugen konnte – diese "objektive Attraktivität" verliere an Bedeutung, kommentiert die Forscherin in "Scientific American".

Der Umkehrschluss gelte jedoch nicht, erläutern die Forscher. Wenn Menschen gleichen Attraktivitätsniveaus nach kurzer Zeit ein Verhältnis beginnen, führen sie deswegen nicht zwangsläufig eine oberflächliche Beziehung. Das belegte ihre Untersuchung ebenfalls: Teilnehmer, die ihren Discoaufriss am Ende geheiratet hatten, führten mitunter eine jahrzehntelange glückliche Ehe.