Neben seinen Knochen wirkten selbst ausgewachsene Männer schmächtig – diese Bilder gingen 2014 um die Welt, als Paläontologen begannen, die Überreste von einem der größten Tiere der Erdgeschichte auszugraben. Drei Jahre später trägt der Gigant endlich einen Namen und wissen Paläontologen mehr über seine wahren Dimensionen: Patagotitan mayorum wog fast 70 Tonnen und maß mehr als 35 Meter von der Nase bis zur Schwanzspitze, wie José Carballido vom Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Argentinien und seine Mitstreiter in den "Proceedings of the Royal Society of London B" ausführen. Die zu den Titanosauriern zählende Art wog damit mehr als 13 Afrikanische Elefanten und übertraf sogar noch den Blauwal an Länge (der mit rund 150 Tonnen allerdings deutlich schwerer ist). Mit diesen Dimensionen übertraf Patagotitan mayorum sogar noch seinen ebenfalls nicht schmächtigen Verwandten Argentinosaurus um zehn Prozent, wie die Paläontologen kalkulieren.

Bei ihren Berechnungen profitierten Carballido und sein Team davon, dass sie nahezu ein komplettes Skelett des Riesen bergen konnten: insgesamt rund 200 Knochen. Es sind die Fossilien von mindestens sechs jungen, noch nicht ganz ausgewachsenen Erwachsenen, die wohl zufällig zu verschiedenen Zeiten an dieser Stelle starben. Warum dies geschah, weiß Carballido noch nicht – in der Nähe gefundene Zähne von Raubsauriern bedeuteten nicht, dass die Tiere hier gerissen wurden, so der Forscher gegenüber "The Atlantic". Das sei eher unwahrscheinlich, da die Titanen so stark und schwer waren, was ein immenses Risiko für Fressfeinde bedeutet hätte.

Entdeckt hatte die Lagerstätte ein betagter Viehhirte namens Aureliano Hernández, der während seiner Arbeit einen aus einem Felsen herausstehenden Knochen bemerkt hatte. Anschließend informierte er die Eigentümer der Farm, die wiederum örtliche Paläontologen kontaktierten. Zwei Wochen dauerte es anschließend, bis dieser erste Knochen freigelegt war – was Hernández leider nicht mehr mitbekam, weil er zuvor verstarb. Zu Ehren der Region Patagonien und der Landwirte aus der Familie Mayo tauften die Wissenschaftler die Art schließlich auf Patagotitan mayorum. Ein zusammengesetzter Fiberglasabguss der Knochen ist im American Museum of Natural History in New York zu sehen – wofür extra ein Ausstellungssaal erweitert werden musste, weil der Dinosaurier alle Dimensionen sprengte.