Eine neue Theorie will das rätselhafte Verschwinden der Neandertaler vor etwa 30 000 Jahren erklären. Richard Horan von der Staatsuniversität Michigan und seine Kollegen vermuten, dass der anatomisch moderne Mensch Homo sapiens dem Neandertaler überlegen war, weil er bereits Handel betrieben hat.

Archäologische Funde aus der Kulturstufe des Gravettien deuten zumindest bereits auf vielfältige Handelsbeziehungen hin: Rohstoffe der damaligen Zeit, wie Feuerstein, Elfenbein und Muschelschalen, aber auch komplette Steinwerkzeuge wurden demnach ex- und importiert. Bei Neandertalern gibt es keine Hinweise auf solche wirtschaftlichen Verflechtungen.

Die Fähigkeit zum Handel ermöglichte nach Ansicht der Forscher eine Spezialisierung innerhalb der menschlichen Gesellschaften. Damit wären sie den Neandertaler-Populationen überlegen.

Die Wissenschaftler testeten ihre Hypothese mit einer Computer-Simulation: Selbst unter der Annahme, dass die Neandertaler bessere Jäger und Sammler wären, hätte die handelnde Bevölkerung von Homo sapiens innerhalb von 7000 Jahren diesen Nachteil ausgeglichen und die Neandertaler verdrängt.