Die in Australien heimische Schopftaube (Ocyphaps lophotes) hat einen eleganten Weg entwickelt, Artgenossen im Flug vor Gefahren wie einem hungrigen Greifvogel zu warnen: Ein speziell ausgeformter Teil ihres Gefieders erzeugt besonders bei raschen Manövern auffällige Pfeiftöne, die von anderen Schopftauben als dringendes Alarmsignal verstanden werden. Diese Erkenntnis präsentieren Forscher jetzt in "Current Biology".

Fliehende Schopftaube
© Geoffrey Dabb
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernFliehende Schopftaube
Eine fliehende Schopftaube – zu erkennen ist auch die schmale achte Handschwinge, die für einen deutlich vernehmbaren Pfeifton zuständig ist.

Natürlich war Vogelfreunden der merkwürdig auffallende Flugstil der Schopftauben schon vorher nicht verborgen geblieben: Denn typischerweise folgen auf längere Gleitphasen im Flug einige rasche Flügelschläge, in denen dann oft metallische Pfeifgeräusche vernehmbar werden. Tatsächlich ändert sich das Pfeifkonzert mit der Flügelschlaggeschwindigkeit, wie Trevor Murray von der Australian National University und sein Team zunächst dokumentierten. Die soziale Bedeutung als Alarmsignal erschloss sich den Forschern in einem Experiment, für das sie anderen Schopftauben Pfeiflaute vorspielten, die sie von fliehenden Exemplaren aufgenommen hatten: Die Tauben im Versuch reagierten darauf eindeutig verschreckt mit Fluchtreaktionen.

Ursprung des Pfeifens sind die besonders schmale achte sowie die neunte Handschwinge der Taubenflügel, die in anströmender Luft einen hohen und einen etwas tieferen Ton von sich geben. Nur der hohe Ton scheint dabei allerdings als Alarmzeichen zu dienen, wie die Versuche ergaben: Der Ton der neunten Schwungfeder lässt Artgenossen neugierig umherblicken, nicht aber fliehen. Ganz offenbar stecke mehr in den Federfluggeräuschen der Vögel als bisher vermutet, meinen Murray und Co, die nun auch bei anderen Arten nach ähnlichen, möglicherweise übersehenen Kommunikationssignalen suchen möchten. Generell fliegen einige Tauben eher lärmend, und auch die zu den Sperlingen zählenden amerikanischen Schnurrvögel bewegen sich nicht nur in der Balzzeit alles andere als lautlos: Auch hier sorgen speziell geformte Handschwingen dafür, dass stets ihre Flugsituation akustisch an andere übermittelt wird.