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Hirnforschung

Warum Alkohol hungrig macht

Mit ein paar Bierchen intus wird der Lockruf der Dönerbude beinahe unwiderstehlich. Warum das so ist, zeigt nun der Blick ins Gehirn.
Abstecher zum Fastfood-Restaurant

Alkohol aktiviert im Gehirn bestimmte Hirnzellen, die Teil des Hungersystems sind. Das könnte erklären, warum sich der Menschen nach einem feuchtfröhlichen Abend gerne mal einen deftigen Snack gönnt, meinen Forscher um Sarah Cains vom Francis Crick Institute in London. Sie haben dazu eine Untersuchung an Mäusen gemacht. Auch die Tiere schlagen sich unter bestimmten Bedingungen den Magen voll, wenn man ihnen Alkohol zu trinken gibt.

Dabei enthalten Bier, Wein und Schnaps eigentlich selbst schon vergleichsweise viele Kalorien und müssten eher ein Sättigungsgefühl hervorrufen. Dass das Gegenteil der Fall ist, könnte an der direkten Wirkung des Ethanols auf die so genannten AgRP-Neuronen liegen. Sie befinden sich bei Mensch und Maus im Hypothalamus und wirken dort an der Steuerung des Hungergefühls mit. Schalteten die Forscher bei den Tieren diese Zellen stumm, blieben Fressattacken aus. Gaben sie typische Mengen von Alkohol auf freipräparierte Mäusegehirne, begannen die Zellen zu feuern.

Dass Alkohol hungrig macht, hat aber womöglich noch eine Vielzahl anderer Ursachen. Unter anderem verändert er den Blutzuckerspiegel und entzieht dem Körper Wasser, beides steigert den Appetit. Zudem hat, wer nüchtern von einer Party nach Hause kommt, womöglich genauso viel Hunger, aber gleichzeitig ausreichend Selbstbeherrschung, um nicht noch eine Pizza in den Ofen zu schieben.

Doch der appetitanregende Effekt zeigte sich selbst in Versuchen, bei denen Freiwilligen der Alkohol ins Blut injiziert wurde, bei denen also die typischen Begleitumstände des Trinkens fehlten. Mit Hilfe von Hirnscans stellten Wissenschaftler dabei fest, dass der Hypothalamus im Gehirn der Versuchspersonen stärker auf Essensgerüche reagierte. Und wie erwartet genehmigten sich viele Studienteilnehmer anschließend eine größere Portion Spaghetti bolognese als die Probanden, denen man nur eine Salzlösung gespritzt hatte.

02/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02/2017

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