Sie gehörten zu den ersten Bäumen auf Erden: Im Nordwesten von China haben Forscher jetzt Fossilien von über 300 Millionen Jahre alten Holzstämmen entdeckt. "Diese außergewöhnlich gut erhaltenen dicken Stümpfe geben Zeugnis, wie diese Pflanzen auf Baumgröße heranwachsen konnten", berichtet das Team jetzt in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Es handelt sich um Überreste einer Art aus der Gruppe der Cladoxylopsida, genannt Xinicaulis lignescens: palmenähnliche Bäume mit gefächerter Krone, die eine Höhe von zwölf Metern erreichen konnten. Sie eroberten das Land vor rund 390 Millionen Jahren und leiteten damit als erste Bäume eine Schlüsselphase der Naturgeschichte ein; sie veränderten die Erde und ihre Atmosphäre entscheidend.

Einer der fossilen Stümpfe ist rund 70 Zentimeter dick und geschätzte 374 Millionen Jahre alt. Weil seine zelluläre Struktur so gut erhalten ist, gewannen die Entdecker um Hong-He Xu von der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Nanjing nun einen Einblick in das Innenleben der ersten Bäume. Die Cladoxylopsida bestanden demnach nicht aus einem einzigen festen Stamm, sondern aus "Hunderten von einzelnen Strängen". Diese enthalten wiederum Xylem, ein holziges Zellgewebe, das Wasser durch die Pflanze transportiert.

Die Stränge befanden sich jedoch nicht im Zentrum, sondern nur zur Rinde hin. Dort stabilisiert bei den moderneren Bäumen eine ringförmige Gewebeschicht das Wachstum in die Breite, das so genannte Dickenwachstum. Beim Urbaum hingegen hatte jeder der kleinen Stränge seine eigenen Ringe, und so musste die äußere Hülle auseinanderbrechen, wenn der Baum in die Breite wuchs. Ihren knolligen Fuß könnten die Stämme diesem ungewöhnlichen Innenleben zu verdanken haben.

Vielleicht war das Wachstum mit einem solchen Handikap einfach zu schwierig. Jedenfalls verschwanden die Cladoxylopsida zum Ende des Devon-Zeitalters wie einst der Neandertaler, und Archaeopteris, der Urvater der modernen Bäume, eroberte das Land.