Viele Eltern kennen das Verhalten ihres Nachwuchses: Wenn sie schimpfen, schalten die Teenager erst recht auf stur oder gleich ganz ab. Nun zeigt eine Studie von Hirnforschern um Kyung Hwa Lee von der University of Pittsburgh, dass dies eine ganz normale, nicht unbedingt steuerbare Reaktion des heranwachsenden Denkapparats ist. Die Forscher hatten 32 Kinder und Jugendliche ins Labor gebeten und ihr Hirn mit bildgebenden Verfahren beobachtet, während sie jeweils mit einem Video ihrer schimpfenden Mutter "unterhalten" wurden. Diese Hirnaktivität verglichen sie dann mit jenem Verhalten, das bei einer normalen Erzählung über einen belanglosen Vorgang auftrat. Während sich bei einem Monolog über den letzten Einkauf nichts besonderes zwischen den Neuronen ergab, aktivierten sich im Hirn bei Kritik vor allem jene Areale im limbischen System, die mit negativen Emotionen verknüpft sind – was die Wissenschaftler natürlich nicht überraschte, da sie dies erwartet hatten.

Zusätzlich verringerte sich jedoch auch die Aktivität in Bereichen wie dem präfrontalen Kortex oder dem Schläfenlappen, die für die Gefühlskontrolle und Empathie verantwortlich sind. Die Jugendlichen waren dann deutlich weniger bereit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und den Standpunkt der Eltern zu akzeptieren. Die kognitive Verarbeitung der Kritik ging letztlich stark zurück. Dieser Zustand hielt zudem für geraume Zeit an, selbst nachdem die Standpauke beendet war. Warum es zu dieser Reaktion kommt, bleibt aber noch unklar: Womöglich wollen die Heranwachsenden auf diese Art verhindern, dass beginnende Konflikte mit den Eltern weiter eskalieren – auch wenn Ignorieren auf den ersten Blick kontraproduktiv erscheint. Auch wenn einige Aspekte der Studie nochmal überprüft werden müssten (etwa die Tatsache, dass den Probanden zuvor nicht eindeutig gesagt wurde, dass sich auf die Aufzeichnungen konzentrieren sollten), so könnte diese Information vielleicht doch schon dem elterlichen Verständnis helfen, warum manches Mäkeln schlicht ins Leere läuft.