Pferde haben an jedem Fuß nur einen Zeh, obwohl sie, wie alle Vierfüßer, ihre Embryonalentwicklung mit fünf Zehen beginnen. Auch die Vorfahren der Pferde hatten noch mehrere Zehen: Das hundegroße Hyracotherium lebte vor 50 Millionen Jahren und hatte hinten drei und vorne vier Zehen. Die jedoch verschwanden im Lauf der Zeit immer mehr, je größer die Pferdevorfahren wurden. Ursache dieses Trends war tatsächlich das größere Gewicht der Tiere, berichtet jetzt eine Gruppe um die Doktorandin Brianna McHorse von der Harvard University. Wie das Team in "Proceedings of the Royal Society B" berichtet, sprechen die Geometrien der Fußknochen im Lauf der Pferde-Evolution für die Hypothese, dass ein einzelner tragender Zeh bei steigendem Körpergewicht begünstigt ist. Zusätzliche Zehen würden die Füße unnötig schwer machen, gemessen am Nutzen für die Stabilität.

McHorse und ihr Team vermaßen die Knochengeometrie der Beine von insgesamt 13 Gattungen ausgestorbener Pferdevorläufer. Dabei kommen sie zu dem Schluss, dass noch das vor etwa 15 bis 20 Millionen Jahren lebende, dreizehige Parahippus nicht in der Lage gewesen wäre, allein auf dem mittleren Zeh zu stehen. Die Fußknochen hätten die Last nicht tragen können. Berechnungen zeigen, dass über die gesamte Pferde-Evolution hinweg die in den Fußknochen wirkenden Kräfte etwa konstant blieben – der sich verbreiternde Mittelzeh nahm also die zusätzliche Last durch die verschwindenden Zehen an der Seite auf. Die Studie bestätigt im Wesentlichen die Hypothesen, weshalb Pferdeartige ihre Zehen langsam verloren: Um sich möglichst schnell fortzubewegen, ist es sinnvoll, möglichst wenig Zehen samt ihrer schweren Knochen zu haben. Es dauerte allerdings mehrere Millionen Jahre, bis die Mittelzehe der Pferde stabil genug war, um die Last des Körpers allein zu tragen.