Im Rahmen der so genannten Wachtherapie verordnen Therapeuten Patienten mit Depressionen schon mal die eine oder andere schlaflose Nacht. Denn Schlafentzug hebt kurioserweise bei vielen Betroffenen zumindest vorübergehend die Stimmung. Einen neuen Hinweis darauf, wie dieser Effekt zu Stande kommt, konnte nun ein Team um Sarah Davies von der University of Surrey in Guildford finden: Offenbar sorgt gezieltes Wachbleiben für einen höheren Pegel des stimmungsaufhellenden Botenstoffs Serotonin.

Zu diesem Schluss kamen die Forscher, nachdem sie den Stoffwechsel von zwölf männlichen Probanden zwei Tage lang intensiv analysiert hatten. Die ersten 24 Stunden des Experiments verbrachten die Versuchspersonen mit einem normalen Schlaf-wach-Rhythmus, die zweite Hälfte blieben sie schließlich durchgehend wach. Alle zwei Stunden entnahmen Davies und ihre Kollegen ihnen Blutproben und untersuchten diese auf verschieden Stoffwechselprodukte. Neben einer erhöhten Serotoninkonzentration konnten die Wissenschaftler dabei in den Phasen des Schlafentzugs auch vermehrt die Aminosäure Tryptophan nachweisen, die als Vorstufe des Botenstoffs fungiert.

Bei Patienten mit einer Depression beobachteten Forscher häufig eine gestörte Serotoninbalance im Gehirn. Viele Antidepressiva zielen daher drauf ab, als Serotoninwiederaufnahmehemmer die Konzentration des Neurotransmitters zu erhöhen. Dass Schlafentzug zumindest im Blutplasma einen ganz ähnlichen Effekt hervorruft, könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, warum die Methode auf therapeutischer Ebene so gut wirkt. Um diesen Zusammenhang zweifelsfrei zu belegen, sind jedoch weitere Studien nötig, räumen die Forscher ein.