Wenn es auf See gewittert, dann oft richtig heftig. Aber warum ist das so? Eine Vielzahl von Erklärungsansätzen sei bereits für das seit Ende der 1970er Jahre bekannte Phänomen ins Feld geführt worden, schreiben Forscher um Themis Chronis von der University of Alabama in Huntsville. Eine befriedigende Antwort sei jedoch noch nicht dabei herumgekommen.

Für ihre eigene Studie haben sie nun Blitzdaten des US-amerikanischen National Lightning Detection Network ausgewertet und vier Regionen miteinander verglichen: an und über dem Lake Michigan, dem hohen Atlantik, der Florida-Halbinsel und der Küste des Golfs von Mexiko. Auch hier zeigte sich, dass die erste Hauptentladung, die entsteht, wenn elektrische Energie aus der Wolke durch einen Blitzkanal Richtung Erde strömt, über dem Wasser im Schnitt eine merklich höhere Stromstärke aufweist als über Land.

Dabei fanden sie ein womöglich aufschlussreiches Muster. Bereits über Land, im küstennahen Bereich, steigt die Blitzintensität und wächst über dem Wasser dann mit steigender Entfernung zum Ufer immer weiter an. Ob sich das Phänomen bis zur Mitte des Ozeans hinweg kontinuierlich fortsetzt, ließ sich auf Grund von Messungenauigkeiten fernab der Küste nicht bestimmen.

Laut einer verbreiteten Erklärung sind Salzkristalle für den Effekt verantwortlich. Sie könnten die Leitfähigkeit der Luft erhöhen und dadurch mehr Energie transportieren. Das sei jedoch eher nicht der Grund, meint nun Chronis. Denn die Salzkonzentration würde im Wechsel der Jahreszeit schwanken, genau wie die Blitzstärke – nur zeigten die Daten jetzt, dass beide nicht dem gleichen Rhythmus folgen. Völlig aus der Diskussion sei das Salz aber dennoch nicht. Für diese These spreche beispielsweise, dass sich der Effekt über dem Süßwassersee Lake Michigan nicht zeigte.

Alternativ suchen Wissenschaftler die Ursache in den Eiskristallen, die sich in der Atmosphäre bilden. Über dem Meer werden sie größer als über dem Land und können sich darum stärker mit statischer Elektrizität aufladen. Nur: Warum entlädt sich diese größere Aufladung nicht einfach durch mehr Blitze normaler Stärke? Zudem beträgt der Unterschied in der Kristallgröße gerade einmal 10 Prozent, der Unterschied in der Blitzstärke jedoch zwischen 25 und 30 Prozent.

Vielleicht, fassen die Forscher in einer Mitteilung zusammen, stecke dahinter eine Kombination aus diesen beiden und weiteren Faktoren. Neben Salinität und Kristallgröße könnten auch noch Wetter- und Sturmdynamik über dem Meer eine Rolle spielen.