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"Schau mal da!"

Warum Zeigegesten nur selten weiterhelfen

Wer andere auf etwas aufmerksam machen will, zeigt meist einfach mit dem Finger darauf. Oft wird diese Geste aber missverstanden. Warum, haben Forscher nun ganz genau untersucht.
Schau mal da!

"Schau mal, da hinten sitzt ein Spatz im Baum." "Wo denn?" "Da!" "Sehe ich nicht." "Na DA!" – Wenn wir unsere Mitmenschen auf ein spezielles Objekt in unserer Umgebung aufmerksam machen möchten, dann zeigen wir meist reflexartig mit dem Finger darauf. Ist das Objekt weiter entfernt oder schlecht zu sehen, hilft diese Geste dem Betrachter häufig aber trotzdem nicht weiter – und es komm nicht selten ebenjene Unterhaltung zu Stande, die eingangs beschrieben steht.

Das Problem solcher Zeigegesten hängt zweifelsohne damit zusammen, dass Zeiger und Betrachter aus unterschiedlichen Perspektiven auf den ausgestreckten Finger blicken. Psychologen von der Universität Würzburg wollten nun allerdings ganz genau wissen, warum ein solcher Fingerzeig häufig ins Leere führt. Dazu ließen sie Studenten in einem Experiment auf bestimmte Positionen auf einem Zahlenstrahl zeigen, während andere Kommilitonen wiederum die Gesten interpretieren sollten. Per Motion Capturing hielten die Forscher dabei die Körperhaltung des Zeigenden genau fest. "Die geometrischen Regeln, die beschreiben, auf welche Art eine Person auf etwas zeigt, unterscheiden sich von den Regeln, die zur Interpretation von Zeigegesten herangezogen werden", sagt Studienautor Oliver Herbort nach der Auswertung der Daten. Das heißt konkret: Derjenige, der einem anderen etwas zeigen möchte, bringt seine Fingerspitze, seine Augen und das Objekt auf eine Linie. Der Beobachter, der die Geste von außen sieht, verlängert jedoch in aller Regel einfach die Linie, die sich durch Schulter, Arm und Finger des Zeigenden ergibt – und blickt demnach stets viel zu hoch (siehe Bild).

Fingerzeig ins Leere
Fingerzeig ins Leere | Für den Betrachter sieht es so aus, als würde die Studentin auf Position A zeigen. Tatsächlich zeigt sie aber auf Position B, da sie aus ihrer Perspektive Zeigefinger, Augen und Objekt auf eine Linie bringt.

Im Alltag bedeutet das in den Augen der Forscher, dass man sich nicht wundern sollte, wenn die Mitmenschen nicht direkt verstehen, wo man gerade hinzeigt. Ein Fingerzeig wird viel öfter falsch interpretiert, als die meisten Menschen annehmen. Gleichzeitig sollte man sich auch bei der Interpretation von Zeigegesten nicht zu sicher sein – und im Zweifelsfall lieber noch einmal nachfragen.

45/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 45/2015

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