Menschen haben keine instinktive Ursprache – das ist eine der grundlegenden Annahmen der Sprachwissenschaft, und sie hat sich seit den Tagen von Kaspar Hauser bewährt. Doch nun postulieren Forscher um Damián E. Blasi vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, dass es eben doch Laute gibt, die "von Natur aus" in bestimmte Wörter gehören. Wie die Arbeitsgruppe berichtet, gibt es universale statistische Beziehungen zwischen verschiedenen Lauten und Wörtern mit bestimmter Bedeutung. Dazu untersuchte Blasis Team ein aus 100 Vokabeln bestehendes Grundvokabular in etwa zwei Dritteln aller Sprachen der Welt – und das Ergebnis widerspricht der Vorstellung, dass die Laute in einem Wort grundsätzlich nichts mit seiner Bedeutung zu tun haben.

Vielmehr ließen sich, so die Forscher, sogar über entfernte Sprachfamilien hinweg die gleichen Präferenzen für und gegen bestimmte Laute in Worten gleicher Bedeutung feststellen. Besonders stark ist der Effekt in Eigenschaftswörtern oder Begriffen für Körperteile: Das Wort für "klein" enthält demnach bevorzugt den Laut i, "Knochen" oft den Konsonanten k. Ähnliche Befunde präsentierten schon frühere Arbeitsgruppen, neben Korrelationen zwischen Wort und Laut zum Beispiel auch die Fähigkeit von Menschen, anhand des Klangs Wortbeziehungen in unbekannten Sprachen einzuschätzen. Der Ursprung solcher möglichen Zusammenhänge zwischen Laut und Bedeutung ist noch völlig unklar. Dass es sich um Überreste einer gemeinsamen Protosprache handelt, sei jedoch unwahrscheinlich, so die Gruppe um Blasi – möglicherweise gehe der Effekt auf eine Besonderheit unserer Fähigkeit zu sprechen zurück.