Schokolade gehört sicher zu den beliebtesten Süßwaren weltweit, doch die Versorgung damit ist bedroht: Schädlinge und vor allem Pilze bereiten Landwirten in den wichtigsten Anbauregionen heftiges Kopfzerbrechen. In Mittelamerika hat der Pilz Moniliophthora perniciosa als Auslöser der Hexenbesenkrankheit dafür gesorgt, dass die Ursprungsregion der Frucht im globalen Handel praktisch kaum mehr eine Rolle spielt. Dabei können Züchter die Widerstandskraft der Pflanzen schon mit relativ einfachen Mitteln unterstützen, wie eine Arbeit von Natalie Christian von der Indiana University und ihrem Team in den "Proceedings of the Royal Society B" nahelegt. Dazu genüge es, die Kakaosetzlinge mit dem Wurzelmikrobiom gesunder ausgewachsener Bäume in Kontakt zu bringen, so die Wissenschaftler.

Christian vergleicht dies mit der Geburt von Kindern, die während der Passage durch den Geburtskanal mit Bakterien und Pilzen der Mutter in Kontakt kommen, was zumeist ihr Immunsystem stärkt. Ursprünglich wuchs Kakao in tropischen Regenwäldern, in deren Streuschicht zahlreiche Mikroben und Pilze hausen. Christian und Co haben nun entdeckt, dass bestimmte Arten wie Colletotrichum tropicale das Immunsystem der Nutzpflanze stärken und sie damit besser gegen Pathogene und Fraßschädlinge schützen. In den Monokulturen, in denen der weitaus größte Teil der kommerziell genutzten Kakaobäume wächst, ist diese Vielfalt verringert. Zudem können sich in den Plantagen Krankheiten oder Insektenplagen schnell und großflächig ausbreiten: Kranke Individuen können Pilzsporen oder Bakterien rasch an benachbarte Artgenossen weitergeben.

Um zu testen, wie sich dies vielleicht doch verhindern lässt, zogen die Forscher Setzlinge aus sterilen Samen in keimfreier Umgebung heran. Dann unterteilten sie die Gewächse in drei Gruppen, wobei ein Teil Blattstreu gesunder Bäume erhielt, ein Teil eine Blattmischung aus dem Regenwald und die dritte Gruppe nichts davon. Die Blätter der heranwachsenden Kakaobäume wurden also von unterschiedlichen Mikrobengruppen neu besiedelt – oder blieben weitgehend steril. Anschließend pflanzte Christians Team alle Gewächse in den Wald, so dass weitere Mikroben über die Luft oder das Regenwasser auf die Blätter gelangten. Nach einiger Zeit kamen diese Pflanzen wieder zurück ins Treibhaus, wo sie schließlich dem Pathogen Phytophthora palmivora ausgesetzt wurden. Dieser Keim ist an 10 bis 20 Prozent der jährlichen Ernteausfälle von Kakao beteiligt.

Diese Verluste ließen sich mit der Blattbehandlung im Test deutlich verringern: Kakaosetzlinge, die Blattstreu gesunder Elternpflanzen ausgesetzt gewesen waren, erlitten deutlich weniger Blattschäden als sterile Pflanzen und immerhin 50 Prozent weniger Verluste als die Vergleichsgruppe, die gemischtes Streu erhalten hatten. Verantwortlich dafür war anscheinend der Pilz Colletotrichum tropicale, der sich besonders stark auf den Blättern der Jungpflanzen angesiedelt hatte, die mit gesundem Kakaolaub ausgestattet worden waren. Sie breiten sich so stark aus, dass andere – pathogene – Pilze praktisch keinen Platz mehr finden.