Jedes Jahr sterben weltweit mehrere Dutzend Menschen, weil sie mit den Tentakeln giftiger Quallen in Berührung gekommen sind. Tausende erleiden schmerzende Verletzungen bis hin zu entstellenden Narben. Die Meinungen gehen allerdings stark auseinander, welche Gegenmaßnahmen nach dem Kontakt mit den Nesseln eingeleitet werden sollen. Zu den gängigsten Tipps gehören beispielsweise das Abwaschen der Haut mit Salz- oder Süßwasser, Alkohol oder Urin. Christie Wilcox von der University of Hawaii at Manoa in Honolulu und ihr Team haben diese Methoden in der Fachzeitschrift "Toxins" genauer ausgewertet und kommen zu einem eindeutigen Schluss – zumindest wenn es sich um Quallen der Gattung Physalia handelt. Zu dieser Gruppe gehört unter anderem die Portugiesische Galeere (Physalia physalis), die sich auch vor beliebten Badestränden der Kanarischen Inseln, der Balearen und sogar in der Nordsee tummeln kann.

Der Kontakt mit diesen Tieren bringt heftige Schmerzen und Verbrennungen, die zu Narben führen können. In seltenen Fällen kommt es zu einer allergischen Überreaktion, die manchmal tödlich endet. Dabei wird nur in ein Prozent aller Fälle überhaupt Gift freigesetzt, wenn sich die Tentakel auf die Haut legen – dennoch gehen allein in Australien (wofür relativ gesicherte Daten vorliegen) etwa 10 000 medizinische Behandlungen auf die Nesseltiere zurück. Um die schlimmsten Folgen schon am Strand einzudämmen und Schmerzen zu mindern, empfehlen Wilcox und Co strikt eine einzige Methode: Ersthelfer sollten die Haut großflächig mit handelsüblichem Essig (nicht Essigessenz!) abspülen und anschließend die betroffenen Stellen mit 45 Grad Celsius heißem Wasser oder entsprechend temperierten Wärmepackungen mindestens 45 Minuten lang abdecken. Dies deaktiviere bereits injiziertes Gift effektiv, so die Wissenschaftler.

Kontraproduktiv wirkt dagegen der Einsatz von Kältepackungen auf den brennenden Hautpartien, denn dies verstärkt die Schmerzen sogar noch. Auf keinen Fall dürfen die Tentakel mechanisch entfernt werden, weil sie dadurch aktiv bleiben und unter Druck sogar noch mehr Nesseln über einer größeren Fläche feuern. Auch Salzwasser hilft nicht, die Quallenreste schadlos abzuspülen, denn daran sind die Tiere ja angepasst. Und das Gleiche gelte für allerlei empfohlene Hausmittelchen wie Zitronensaft, Rasierschaum oder Urin, die immer wieder als Erste-Hilfe-Maßnahme empfohlen würden, betonen die Experten. Der leicht erhältliche Essig hilft dagegen fast genauso gut wie "Sting No More", ein Spray, das gezielt gegen Quallengift entwickelt wurde, aber nicht überall käuflich erworben werden kann.

Physalia sind keine echten Quallen wie die potenziell tödliche Seewespe Chironex fleckeri. Sie gehören dagegen zu den Staatsquallen und bestehen aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger Polypen. Daher dachten Wissenschaftler lange, man müsste ihre Tentakel vielleicht mit anderen Mitteln lahmlegen als bei den echten Quallen. Für ihre Tests nutzten Wilcox und ihre Kollegen Schaf- und Menschenblutzellen in einem Nährmedium – kein Proband musste leiden.