Das Surfen im World Wide Web birgt Suchtgefahr – und kann bei den Betroffenen psychische Krankheiten auslösen. Forscher der australischen School of Medicine in Sydney und der chinesischen Sun-Yat-Sen-Universität in Guangzhou haben das Netzverhalten von über 1000 Schülern unter die Lupe genommen. Beobachtung: Jugendliche, die krankhaft viel Zeit im Internet verbringen, leiden später oft an Depressionen.

Im Südosten Chinas interviewten Lawrence Lam und Zi-Wen Peng 1041 Schüler zu ihrem Internetverhalten. Rund sechs Prozent von ihnen waren demnach "pathologische Internetnutzer", konnten sich ein frustfreies Leben ohne das Netz also gar nicht mehr vorstellen. Die 13-bis 18-Jährigen gaben außerdem Auskunft über Art und Häufigkeit ängstlicher oder depressiver Gedanken – und zeigten keine Auffälligkeiten.

Als die Forscher das Prozedere nach neun Monaten ein zweites Mal durchführten, sahen sie: Jugendliche der Internet-Risikogruppe litten jetzt mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit an Depressionen wie Altersgenossen mit durchschnittlichem Surfverhalten. 87 Schüler zeigten auf der Depressivitätsskala kritische Ergebnisse. Ängstlicher wurden die Jugendlichen jedoch nicht. Auch nachdem die Wissenschaftler Einflussgrößen wie Leistungsdruck, Zufriedenheit, soziales Umfeld und Fitness aus den Ergebnissen herausgerechnet hatten, blieb die Intensität der Internetnutzung der beste Prädiktor für hohe Depressivitätswerte in der zweiten Befragung.

Als entscheidend erwies sich die Art der Internetnutzung: Diejenigen, die krankhaft viel surften, suchten eher nach Unterhaltung als nach Information. Diese Ergebnisse, so die Forscher, sollten Signalwirkung haben – und Anlass zum Eingreifen sein. Ihr Vorschlag: Ein obligatorisches "Screening" an Schulen, das Internetjunkies identifiziert – und Hilfe ermöglicht. (sz)

Lam, L. T., Peng, Z.-W.: Effect of Pathological Use of Internet on Adolescent Mental Health. In: Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 10.1001/archpediatrics.2010.159, 2010.