Vor rund einem Jahr zog ein Sturm Richtung Arktis, der die Temperaturen bis nahe an die Frostgrenze trieb – und weltweit für Furore in den Medien sorgte. Dieses Wettereignis scheint sich fast auf den Jahrestag genau zu wiederholen: Ein Tiefdrucksystem vor Grönland leitet warme Luftmassen aus Süden weit Richtung Nordpol und treibt die Temperaturen nach oben, prognostiziert die US National Oceanographic and Atmospheric Administration (NOAA). Bis zu 20 Grad Celsius soll es in den nächsten Tagen wärmer sein als sonst für die Jahreszeit üblich. In manchen arktischen Regionen treibt der Warmluftvorstoß das Thermometer wohl sogar über die Frostgrenze. Das ohnehin bislang nur schwach entwickelte Meereis könnte dadurch mancherorts sogar wieder schmelzen, statt zu wachsen, wie es im Winter normalerweise üblich ist. Damit ist es in Teilen der Arktis deutlich milder als großflächig in Kanada, wo momentan eisige Bedingungen herrschen.

Dieses extreme Wetterereignis passt jedenfalls ins Bild des bisherigen arktischen Winters: Die Bildung neuen Meereises hängt bislang deutlich hinter dem langjährigen Schnitt; im November tauten sogar Teile der zuvor gefrorenen See wieder auf. Der Warmluftvorstoß soll bis über das Wochenende hinaus anhalten. Prinzipiell sind derartige Wetterlagen auch im arktischen Winter nichts Ungewöhnliches. Allerdings scheinen sie sich zu mehren, wie eine Studie von Kent Moore von der University of Toronto anhand des Sturms 2015 erläutert. Vor wenigen Jahrzehnten traten sie nur einmal pro Dekade auf, mittlerweile dagegen fast jährlich. Zudem nehmen die Temperaturspitzen dieses "mittwinterliche Erwärmung" genannten Ereignisses zu. Grund dafür ist, dass die warme Luft wegen des Eismangels länger über das offene Wasser streichen kann und deshalb weniger Energie verliert als in früheren Zeiten, in denen das Packeis ausgedehnter war.