Mit dem Ende der letzten Eiszeit verschwanden nicht nur die Gletscher und Eisschilde, sondern eine ganze Reihe Großtiere aus den Regionen rund um die Arktis: das Wollnashorn ebenso wie das ikonische Mammut. Mit ihnen ging ein einzigartiger Lebensraum verloren, die so genannte Mammutsteppe, eine für das pleistozäne Eurasien typische Mischung aus Steppe und Tundra. Seit Jahren allerdings streiten Paläontologen darüber, was der eiszeitlichen Megafauna den Garaus machte: War es der Mensch mit Speer und Netz? Oder meuchelte das Klima die großen Säugetiere?

Ein aktueller Vergleich von Knochenfunden und Klimamodellen stützt jetzt ein Modell, nach dem Mammut und Co einer Kombination aus extremen Populationsschwankungen und immer stärker zersplitterten Lebensräumen zum Opfer fielen. Ein Team um Beth Shapiro von der University of California katalogisierte Altersdaten von mehreren hundert Knochen, gefunden am so genannten North Slope von Alaska, einer Region, die einst am Ostende der eurasischen Mammutsteppe lag. Die Überreste stammen aus den letzten 40 000 Jahren vor dem Beginn des Holozäns und gehören zu klassischen Megafauna-Arten wie Mammut, Pferd, Bison und Moschusochse.

Dabei zeigte sich, dass ihre schwankenden Mengen zu verschiedenen Zeiten gut zu einem Modell passen, das der Biologe R. Dale Guthrie erstmals in den 1990er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Diskussion stellte. Nach dieser Hypothese des kurzen Optimums und der anschließenden Vertorfung schwankten die Tierbestände drastisch, weil die kurzen Warmzeiten zuerst sehr günstige, später aber zunehmend sehr ungünstige Bedingungen für die großen Pflanzenfresser erzeugte.

Die Mammutsteppe der Kaltzeiten war dominiert von Gräsern und krautigen Pflanzen, die auf den mineralreichen Flugstäuben wuchsen und Pflanzenfressern Nahrung boten. Doch die normale Mammutsteppe war zu trocken und zu kühl, um wirklich gute Bedingungen zu bieten. In den unregelmäßig auftretenden Warmperioden jedoch wurde das Klima ozeanischer – feuchter –, und die Pflanzen gediehen hervorragend. Dann profitierten die Pflanzen der Steppe von den mineralreichen Böden, die der Wind aus von Gletschern zermahlenen Gesteinen zusammengeweht hatte. Wie Shapiros Knochenanalysen zeigen, waren es deswegen jene Übergangsphasen, in denen das Leben wirklich blühte. Für einige hundert Jahre gab es mehr als reichlich Nahrung für Mammut, eiszeitliche Pferde und andere Steppentiere.

Doch mit der zusätzlichen Feuchtigkeit veränderte sich das Ökosystem: Es wuchs Torf auf den nassen Untergründen. Die Torfböden ließen den Grundwasserspiegel ansteigen, so dass mehr Torf entstand. Gleichzeitig lieferte der Wind nicht mehr so viel mineralreichen Staub nach, und die Böden wurden saurer. Die nährstoffreichen Pflanzen der Steppe verschwanden, verdrängt durch ungenießbare Besiedler magerer Substrate. Die stark gewachsenen Populationen der großen Pflanzenfresser brachen zusammen.

Wie Shapiros Analysen zeigen, führten die Zusammenbrüche immer wieder zu genetischen Flaschenhälsen oder gar dem lokalen Aussterben einer Tierart. Doch das war nie von Dauer: Kehrte die Mammutsteppe in der nächsten Kaltzeit zurück, wanderten auch die Pflanzenfresser wieder ein. Diese Zyklen von kalter Grassteppe und feuchtem Torfland wiederholten sich in den letzten 40 000 Jahren des Pleistozäns mehrfach – doch jedes Mal kehrte die Mammutsteppe schnell genug zurück, dass die Restpopulationen der Megafauna sich wieder ausbreiten konnten.

Das änderte sich erst mit dem Beginn des Holozäns, der aktuellen Warmzeit: Nicht nur dauert diese weit länger als jede Warmzeit zuvor, so dass sich das von großen Pflanzenfressern dominierte Torfökosystem etablieren konnte. Gleichzeitig stieg auch der Meeresspiegel und durchtrennte viele jener Migrationsrouten, auf denen Mammut und Co verwaiste Regionen zurückerobern konnten. Die einzelnen Populationen wurden zu klein und starben nach und nach aus. Die letzten Mammuts lebten vor 3700 Jahren – doch ihr Ende war lange beschlossen: seit ihre Heimat durch den steigenden Meeresspiegel als Wrangel-Insel vom Festland abgetrennt wurde.