Durch einen symbolischen Knopfdruck hat Bundeskanzlerin Angela Merkel heute um kurz nach 15 Uhr im Fusionsreaktor Wendelstein 7-X des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald eine winzige Menge Wasserstoffgas zu einem Plasma entladen. Zwar bestand der durch einen einzelnen Mikrowellenpuls erzeugte Plasmazustand nur für eine Viertelsekunde. Doch mit der Entladung haben die Fusionsforscher einen weiteren wichtigen Punkt auf dem Weg zu ihrem Ziel erreicht. Sie wollen mit der weltgrößten Anlage vom Stellaratortyp in Greifswald beweisen, dass sich diese Reaktorbauart für ein Fusionskraftwerk eignet. Nun sollen ausführliche Tests mit Wasserstoffplasma folgen.

Bereits im Dezember war im Reaktor ein Plasma aus Helium erfolgreich gezündet worden. Heliumgas besteht aus einzelnen Atomen, im Gegensatz zu Wasserstoffgas, das sich aus Molekülen von zwei Wasserstoffatomen zusammensetzt. Daher lässt sich Heliumgas leichter zu einem Plasma ionisieren. Erwünschter Nebeneffekt: Das Heliumplasma sorgte für eine "Tiefenreinigung", indem es störende Fremdmoleküle aus der Luft und von den Montagearbeiten von den Wänden der Plasmakammer löste.

Mit dem nun verfügbaren Wasserstoffplasma kommen die Forscher dem echten Brennstoff eines Fusionsreaktors aus Tritium und Deuterium, also aus schweren Wasserstoffisotopen näher. Zunächst sollen Tests zeigen, ob die zur Konstruktion von Wendelstein 7-X verwendeten aufwändigen Computersimulationen den supraleitenden Magnetspulen des Reaktors die richtige Form vorgegeben haben. Später soll die Anlage beweisen, dass sie ein Wasserstoffplasma länger auf hoher Temperatur halten kann als andere vergleichbare Anlagen.