Während der Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes leidet offenbar das Bild, das Frauen von sich selbst haben. Das berichtet ein Team um Manon van Scheppingen von der Universität Tilburg nun in einer Studie, die demnächst im "Journal of Personality and Social Psychology" erscheinen wird. Die Wissenschaftler klopften mit Hilfe eines Fragebogens das Selbstwertgefühl von mehr als 84 000 norwegischen Müttern ab. Dabei sollten die Teilnehmerinnen etwa angeben, wie sehr sie Aussagen wie "Manchmal fühle ich mich komplett nutzlos" zustimmten. Die Forscher befragten die Probandinnen wiederholt während der Schwangerschaft sowie nach der Entbindung. Zum letzten Mal gaben die Mütter schließlich Auskunft, als ihr Kind etwa drei Jahre alt war.

Die Auswertung der Daten offenbarte, dass das Selbstwertgefühl der Frauen bereits im Lauf der Schwangerschaft abnahm. Nach der Geburt bekam es kurzzeitig wieder Aufwind, bis der Nachwuchs ein Alter von etwa sechs Monaten erreichte. Anschließend begann es wieder kontinuierlich abzusinken. Dieses Muster zeigte sich unabhängig davon, ob eine Frau zum ersten, zweiten, dritten oder gar vierten Mal Mutter wurde.

Van Scheppingen und ihre Kollegen vermuten, dass die Abnahme des Selbstwertgefühls unter anderem den körperlichen und sozialen Veränderungen geschuldet sein könnte, die mit der Schwangerschaft einhergehen. Es könnte aber auch damit zusammenhängen, wie glücklich die Frauen in dieser Lebensphase mit ihrer Partnerschaft sind. Ergänzende Befragungen der Forscher zeigen: Auch hier nimmt die Zufriedenheit ab, wenn Nachwuchs unterwegs ist. Besonders stark war dieser Trend bei Probandinnen ausgeprägt, die ihr erstes Kind erwarteten. Die Autoren halten es deshalb für wahrscheinlich, dass sich die beiden Faktoren gegenseitig beeinflussen.

Leider lassen die Daten der Wissenschaftler keine sicheren Rückschlüsse darauf zu, wie sich das Selbstwertgefühl der Frauen entwickelt, wenn die Kinder schließlich älter werden. Manche Probandinnen nahmen jedoch im Rahmen mehrerer Schwangerschaften an der Studie teil. Ihre Fragebogenbefunde deuten vorsichtig darauf hin, dass sich die Selbstachtung der Mütter nach einiger Zeit wieder erholen könnte. Dennoch sei es wichtig, diese Entwicklung weiter zu untersuchen, argumentieren die Forscher. Denn auch ein kurzfristiges Tief im Hinblick auf die Selbstachtung könnte Folgen für Mutter und Kind haben und etwa eine postnatale Depression begünstigen.