In der "klassischen" Evolutionsgeschichte der menschlichen Hand geht man davon aus, dass die gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Menschenaffen die charakteristischen langen Finger und den kurzen Daumen hatten, die man heutzutage bei Schimpanse und Co. beobachtet. Durch die Erfordernisse des Werkzeuggebrauchs änderten sich die Hände des Menschen jedoch mit der Zeit, und die Evolution verlieh uns eine Art anatomisches Wunderwerk für Präzisionsarbeiten.

An dieser Sicht der Dinge rütteln nun Anthropologen um Sergio Almécija von der George Washington University in Washington, D. C. Die Wissenschaftler haben die Hände von zahlreichen lebenden und ausgestorbenen Affenarten untersucht und gehen nun davon aus, dass die Hände ursprünglicher Affen – wie etwa die des letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse – eher denen heutiger Menschen ähnelten, nicht aber den Händen von Schimpansen. Im Gegenteil: Deren Hände sowie die von Orang-Utans stellten die moderne Anpassung an ein Leben in Bäumen dar; besonders die langen Finger und der kurze Daumen machen die Fortbewegung im Geäst leichter. Die Menschhand dagegen habe viele archaische Merkmale konserviert.

Haben die Wissenschaftler Recht mit ihrer (von Fachkollegen kritisierten) Analyse, legt dies nahe, dass das althergebrachte Bild unserer Urahnen als Baumbewohner, die sich an ein Leben auf dem Boden anpassten, überdacht werden muss. In dieser Sicht der Dinge ist die Lebensweise etwa heutiger Schimpansen ein Sonderweg, der diverse Anpassungen mit sich brachte.