News | 01.02.2013 | Drucken | Teilen

Meteorologie

Wie der Supersturm die Arktis aufmischte

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Satellitenbild des Supersturms in der Arktis im August 2012

Er kam aus Sibirien, zog mit Orkanstärke über das gesamte Nordpolarmeer – und zerstörte dabei riesige Meereisflächen: Der "große arktische Zyklon", wie er bald genannt wurde, überraschte die Meteorologen, denn er tobte sich im August aus, obwohl während des Spätsommers normalerweise ruhige Bedingungen vorherrschen. Einige Polarforscher machten ihn außerdem für die enormen Eisverluste des letzten Jahres mitverantwortlich; schließlich erreichte die Meereisbedeckung im September einen seit Beginn der modernen Aufzeichnungen Ende der 1970er Jahre historischen Tiefststand. Nun legen Jinlun Zhang von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen eine neue Bewertung des Supersturms vor.

Satellitenbild des Supersturms in der Arktis im August 2012
  Supersturm
Satellitenbild des Supersturms in der Arktis im August 2012: Er zog innerhalb dreier Tage von Sibirien aus durch das Nordpolarmeer.

Tatsächlich war der Sturm der heftigste in einem August, seit Satelliten die Region überwachen (und der dreizehntstärkste überhaupt). Zum gesamten Eisverlust trug er jedoch wenig bei, wie die Forscher mit Hilfe von Computermodellen berechneten – er verlagerte nur den Zeitpunkt der Zerstörung nach vorne: Der Vergleich der Eisschmelze mit und ohne Supersturm zeigte, dass der neue Tiefststand dadurch zehn Tage früher eintrat als ohne den Einflussfaktor. Insgesamt zerstörte der Orkan jedoch "nur" 150 000 Quadratkilometer mehr Eis, was die gesamte freigelegte Fläche nur um fünf Prozent vergrößerte. Verglichen mit dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2007 lag der Verlust jedoch um knapp 20 Prozent höher.

Schuld am Eisschwund war zudem ein anderer Mechanismus als vermutet: Bisher nahmen die Forscher an, dass der Sturm das Eis in Regionen mit wärmerem Wasser trieb oder es zertrümmerte, so dass es leichter schmelzen konnte. Das ausgedünnte Eis und offene Wasserflächen erlauben es jedoch, dass die Sonnenstrahlung tiefer ins Meer eindringen kann und dieses aufheizt. Dadurch ergibt sich eine Schichtung in der Wassersäule, bei der kaltes, aber salzarmes Schmelzwasser über wärmerem, salzigerem Meerwasser schwimmt. Als der Zyklon über diese instabile Lagerung hereinbrach, wühlte und mischte er das Meer auf, so dass sich auch die oberen Bereiche erwärmten – der Hauptgrund für die beobachtete Zusatzschmelze in den drei Tagen des stürmischen Wetters.

Zukünftig könnten sich solche Extremereignisse häufen, meinen die Wissenschaftler. Da zunehmend nur noch einjähriges – dünneres – Eis im Arktischen Ozean vorherrscht, kann mehr Sonnenlicht ins Meer eindringen und während oder nach Stürmen die Schmelze beschleunigen. Das müsse bei zukünftigen Prognosen zur Meereisentwicklung berücksichtigt werden.

© Spektrum.de
Satellitenbild des Supersturms in der Arktis im August 2012

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