Möchten Sie einmal selbst auf Planetenjagd gehen? Dank der heute in der Amateurastronomie verbreiteten leistungsfähigen Teleskope und CCD-Kameras ist dieses interessante Gebiet nicht mehr allein den professionellen Forschern vorbehalten. Darauf wies Jochen Eislöffel, Astronom an der Thüringer Landessternwarte in Tautenburg, auf einem Treffen der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne e.V. (BAV) hin. Eines seiner Arbeitsgebiete ist die Suche nach Exoplaneten mit der Transitmethode: Zieht ein Exoplanet von der Erde aus gesehen vor seinem Zentralgestirn vorüber, so schwächt er dessen Licht geringfügig ab.

Eislöffel regte die Amateurastronomen dazu an, bei Sternen, bei denen bereits ein Planet entdeckt wurde, nach weiteren, noch unbekannten Begleitern zu suchen. Die bisher dokumentierten Transits dauern einige Stunden, sie lassen sich also innerhalb einer Nacht vollständig beobachten.

1. Auswahl von Kandidaten: In vielen Fällen sind die Zentralsterne hell genug, um sie mit Amateurmitteln zu beobachten. Betrachtet man bekannte Transitsysteme außerhalb der bekannten Transitzeiten, so könnten sich weitere Planeten durch geringe Helligkeitseinbrüche zu unerwarteten Zeiten verraten.

2. Änderungen des Transitzeitpunkts: Ein zweiter Planet beeinflusst den Umlauf des bekannten Transitplaneten um den Mutterstern. Er könnte sich durch regelmäßige Änderungen des Transitzeitpunkts offenbaren. Diese Variationen könnten je nach Planetenmasse und Bahn bis zu 15 Minuten betragen.

3. Trojaner: Ähnlich wie Jupiter und Saturn könnten Exoplaneten Trojaner besitzen – kleine Körper, die den großen Planeten auf ihrer Bahn um 60 Grad voraus- oder nacheilen. Andere Planetensysteme besitzen möglicherweise größere Trojaner als die in unserem Sonnensystem bekannten. Diese könnten sich durch zusätzliche Transitereignisse, etwa einen sechstel Bahnumlauf vor oder nach den bekannten Transits, oder durch langfristige Variationen des Transitzeitpunkts zeigen.

4. Unerkannte Transitplaneten unter den bekannten Radialgeschwindigkeitsplaneten: Von den rund 250 durch Radialgeschwindigkeitsmessungen bekannten Exoplaneten sollten aus statistischen Gründen einige auch Transits zeigen. Profiastronomen können nur die Exoplaneten mit Umlaufperioden bis zu etwa zwei Wochen regelmäßig überprüfen. Wichtig wäre es aber auch, Transitplaneten mit längeren Umlaufperioden zu finden.

5. Beteiligung an Nachfolgebeobachtungen von Transitsuchen von Profiastronomen: Profi-Suchprogramme nach Transitplaneten, beispielsweise mit dem Tautenburg Exoplanet Search Telescope (TEST), entdecken hunderte von neuen Bedeckungsveränderlichen aller Klassen. Unter diesen müssen die Transitplaneten durch genaue Nachbeobachtung herausgefischt werden.

Eine Liste der bisher entdeckten Exoplaneten einschließlich der Transitsysteme finden Sie auf der Webseite der "Enzyklopädie der extrasolaren Planeten" (siehe Weblink).

MJN