Tintenfische haben dank eines perfekten Tarnkleids nur wenige Fressfeinde zu fürchten. Bei drohender Gefahr verschwimmen sie durch Farbwechsel problemlos mit dem Hintergrund oder graben sich blitzschnell in den weichen Meeresboden ein. Was gegen viele Raubfische schützt, hilft gegen Haie allerdings wenig. Denn die archaischen Raubfische verfügen über einen fein ausgeprägten Sinn für elektrische Felder, der sie zielsicher zur Beute führt – auf kurze Entfernung jedenfalls. Denn schon die geringste Muskelaktivität, wie sie zum Beispiel für die Atmung notwendig ist, kann das Opfer verraten.

Darauf haben sich Sepien jedoch im Lauf der Evolution eingestellt. Das zeigen die Ergebnisse einer Forschergruppe um Christine Bedore von der Duke University in Durham. Nähert sich ein Räuber, verringern die Tintenfische ihre elektrische Signatur auf ein Minimum und halten dafür sogar den Atem an. Für ihre Studie zeigten die Wissenschaftler Tintenfischen der Art Sepia officinalis Videos sich heranpirschender Haie. Die Forscher beobachteten das Verhalten der Tintenfische und zeichneten dabei die Stärke des elektrischen Felds in ihrer unmittelbaren Umgebung auf. Sobald sich vermeintlich ein Hai näherte, erstarrten die Tiere und senkten ihre Atemfrequenz auf ein Minimum. Dadurch verringerte sich ihr elektrisches Feld um bis zu 89 Prozent.

Ob die Starre sie tatsächlich für Haie unsichtbar macht, überprüften die Forscher in einem weiteren Versuch an Schwarzspitzenhaien und Hammerhaien. Sie präsentierten ihnen einen Tintenfischen ähnelnden Elektroköder. Erzeugte dieser ein elektrisches Feld der Stärke 30 Mikrovolt, dann wurde der etwa dreimal so häufig angebissen wie bei einer Feldstärke von nur sechs Mikrovolt.

Die Taktik des Einfrierens ist für den Tintenfisch äußerst effektiv, berichten die Forscher. Suchten sie stattdessen das Weite, dann erzeugten ihre kräftigen Fluchtbewegungen relativ starke elektrische Felder. Damit wären sie für Haie gut zu orten. Entkommen könnten sie ihnen dann kaum noch, denn Haie schwimmen wesentlich schneller als Tintenfische.