James Danckert war 1990 gerade einmal 18 Jahre alt, als sein älterer Bruder Paul mit seinem Auto gegen einen Baum prallte und mit zahlreichen Verletzungen einschließlich eines Kopftraumas aus den Trümmern geborgen wurde. Seine Genesung war schwierig. Paul war eigentlich Schlagzeuger, doch auch nachdem sein Handgelenk wieder geheilt war, konnte er sich nicht mehr so richtig für das Trommeln begeistern. Er beklagte sich immer wieder heftig darüber, wie sehr es ihn einfach nur anödete, erinnert sich Danckert. "Es war ihm nicht gleichgültig geworden. Aber es war einfach höchst frustrierend und unbefriedigend für ihn, von seiner einst so geliebten Musik nun so gelangweilt zu werden."

Ein paar Jahre später, während seiner Ausbildung zum klinischen Neuropsychologen, traf Danckert auf etwa 20 junge Patienten mit traumatischen Gehirnverletzungen. Er musste dabei an seinen Bruder denken und fragte sie, ob sie sich auch schneller gelangweilt fühlten als früher. "Und jeder Einzelne stimmte zu", erzählt er. So kam Danckert zu seinem derzeitigen Forschungsschwerpunkt in der kognitiven Neurowissenschaft an der University of Waterloo in Kanada. Dort ist er Teil einer kleinen, aber stetig wachsenden Zahl von Wissenschaftlern, die sich ernsthaft mit dem Thema Langeweile auseinandersetzen.

Allerdings gibt es bisher keine allgemein gültige Definition dieses Gefühls. Wie auch immer man es charakterisiert, es ist laut aktueller Forschung wohl nicht nur ein anderer Name für Depression oder Apathie. Eher geht es um einen bestimmten Geisteszustand, der als unangenehm empfunden wird – sprich eine Art Mangel an Anregung, der den Betroffenen nach Abhilfe lechzen lässt und eine ganze Reihe von Folgen für sein Verhalten, seine Gesundheit und sein soziales Leben hat.

Bungee-Sprung
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Manche Menschen, die sich oft langweilen, benötigen starke Reize, um aus ihrem Gemütszustand herauszukommen.

Wie verschiedene Studien zeigen, ist Langeweile neben Depression und Angstgefühl anscheinend einer der häufigsten Auslöser für Essattacken, so genanntes Binge Eating. In einer anderen Studie ging es um Ablenkung, wobei das Verhalten der Teilnehmer an einem Fahrsimulator getestet wurde. Diejenigen, die eher zu Langeweile neigten, fuhren mit höherer Geschwindigkeit als andere Teilnehmer; außerdem hatten sie eine längere Reaktionszeit bei unerwarteten Gefahren und überquerten häufiger als die anderen die Mittellinie der Fahrstrecke. Laut Beobachtungen an amerikanischen Teenagern neigen häufig gelangweilte Jugendliche mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit zum Rauchen, Trinken oder illegalen Drogenkonsum als andere Jugendliche. Die Entwicklungspsychologin Jennifer Vogel-Walcutt vom Beratungsunternehmen Cognitive Performance Group aus Orlando in Florida geht davon aus, dass etwa ein Viertel der Schwankungen bei den Schulleistungen auf Langeweile zurückzuführen sind. Weil das ungefähr dem Einfluss der angeborenen Intelligenz entspricht, sollte der Langeweile "besondere Beachtung" geschenkt werden.

Mit Hilfe all dieser Daten wollen Forscher den Gemütszustand besser verstehen lernen, die beteiligten Mechanismen im Gehirn untersuchen und Zusammenhänge mit Faktoren wie der Selbstkontrolle herausfinden. "Bis wir alle diese Fragen beantworten können, wird aber noch einige Zeit vergehen", weiß die Psychologin Shane Bench, die im Labor von Heather Lench an der Texas A&M University in College Station forscht. Insbesondere bräuchte es verlässlichere Techniken zum Langweilen der Probanden und zum Messen dieses besonderen Zustands. Aber die Forschung nimmt langsam Fahrt auf. Im Mai 2015 kamen bereits 50 Teilnehmer zur zweiten internationalen Boredom Conference der Universität Warschau, darunter internationale Redner aus der Sozialpsychologie und Soziologie. Außerdem veranstaltete Danckert im November 2015 einen Workshop, bei dem etwa ein Dutzend Experten über Langeweile diskutierten. Immer mehr Wissenschaftler aus Genetik, Philosophie, Psychologie und Geschichte arbeiten nun zusammen, stellt der Psychologe John Eastwood von der York University in Toronto in Kanada fest. "Ab einer bestimmten kritischen Masse an Interessierten kommt Schwung in ein Thema."

Ein Maß für das ungute Gefühl

Wissenschaftliche Untersuchungen des Phänomens Langeweile gehen mindestens bis ins Jahr 1885 zurück, als das britische Universalgenie Francis Galton in "Nature" einen kurzen Bericht mit dem Titel "The Measure of Fidget" veröffentlichte und darin seine Untersuchungen zum Verhalten eines unruhigen Publikums bei wissenschaftlichen Konferenzen darstellte. Allerdings fand das Thema in den darauf folgenden Jahrzehnen nur wenig Interesse. "Vieles um uns herum beachten wir einfach nicht, vielleicht weil es zu trivial erscheint", sagt Eastwood.

Das änderte sich aber, als Norman Sundberg und Richard Farmer von der University of Oregon in Eugene im Jahr 1986 die so genannte "Boredom Proneness Scale" (BPS) festlegten – die erste systematische Skala zum Messen von Langeweile (hier geht es zum Test). Neben simplen Fragen nach dem Motto "Ist Ihnen langweilig?" konnten die Studienteilnehmer nun verschiedenen Aussagen zustimmen oder diese ablehnen, beispielsweise Statements wie "Die Zeit scheint immer nur langsam zu vergehen", "Ich fühle mich bei meiner Arbeit meist unterfordert" oder "Ich weiß mich selbst zu beschäftigen". Die Aussagen stammten aus Interviews und Umfragen der Forscher Sundberg und Farmer über Gefühle von Menschen mit Langeweile. Der errechnete Gesamtscore galt letztlich als Maß dafür, wie sehr der Getestete zur Langeweile neigt.

Die neue Skala eröffnete ganz neue Forschungsmöglichkeiten und zeigte erstmals Zusammenhänge mit Unruhe und Apathie, die wiederum in Langeweile enden. Neben der BPS wurden weitere Messskalen entwickelt, das Interesse stieg und weitere Faktoren wie geistige Gesundheit und akademischer Erfolg wurden mit dem Thema in Verbindung gebracht. Die Skala hat aber auch allgemein anerkannte Schwächen, sagt Eastwood. Erstens werden lediglich Selbstaussagen der Testpersonen betrachtet und damit rein subjektive Ansichten bestimmt. Außerdem wird nur die Neigung zur Langeweile festgestellt, die eher ein Persönlichkeitsmerkmal oder einen Wesenszug darstellt und nichts über die Intensität des Gefühls in einer bestimmten Situation aussagt, der so genannten situationsbedingten Langeweile (state boredom). Wie mehrere Studien vermuten lassen, handelt es sich um zwei unabhängige Gefühle, die Forscher gerade erst lernen auseinanderzuhalten.

Besonders im Bereich Schule führt das leicht zu Verwirrungen. So können wechselnde Lehrmethoden oder Veränderungen im Klassenzimmer keineswegs den gelangweilten Wesenszug eines Schülers ändern, aber sie können sehr wohl der situationsbedingten, momentanen Langeweile entgegenwirken. Laut Eastwood wurde die BPS-Skala zwar bisher schon in etlichen Untersuchungen eingesetzt, aber dabei hat man eben nicht zwischen den Formen der Langeweile unterschieden, was leicht zu missverständlichen Aussagen führte.

Viele Wissenschaftler diskutieren immer noch über bessere Messmethoden. Eastwood beteiligte sich im Jahr 2013 auch an der Entwicklung einer weiteren Skala, der "Multidimensional State Boredom Scale" (MSBS), in der 29 Aussagen über die unmittelbare, situationsbedingte Stimmung abgefragt werden, unter anderem auch das Statement "Ich fühle mich in einer irgendwie belanglosen Situation gefangen". Während es in der BPS-Skala um Gewohnheiten und Persönlichkeit des Teilnehmers geht, soll die MSBS die Langeweile im aktuellen Moment messen. Hiermit hofft Eastwood das Gefühl der Langeweile besser erklären und verstehen zu können. Doch zur echten Bestimmung von Langeweile müssten die Forscher sicher sein können, die Teilnehmer tatsächlich gelangweilt zu haben. Und das ist eine noch wesentlich größere Herausforderung.

Das langweiligste Video aller Zeiten

Seit Jahrzehnten schon bedient sich die Psychologie verschiedener Videoclips, um bestimmte Stimmungen bei ihren Probanden zu erzeugen. Dabei gibt es Videos, die nachweislich Glückgefühle, Traurigkeit, Ärger, Mitgefühl und viele andere Emotionen hervorrufen. Während ihrer Promotionsarbeit drehte Colleen Merrifield ein Video, das die meisten Leute zu Tode langweilen sollte. In dem Video stehen zwei Männer in einem weißen, fensterlosen Raum. Lautlos nehmen sie Kleidungsstücke von einem Stapel zwischen ihnen und hängen sie auf einen weißen Ständer – ein Oberteil, ein Hemd, ein Sweatshirt, eine Socke. Die Sekunden ticken langsam vor sich hin: 15, 20, 45, 60. Und die Männer hängen weiter die Wäsche auf. 80 Sekunden. Einer der Männer fragt den anderen nach einer Wäscheklammer. 100 Sekunden. Sie hängen weiter Wäsche auf. 200 Sekunden. Sie hängen weiter Wäsche auf. 300 Sekunden. Sie hängen weiter Wäsche auf. Als Schleife abgespielt, kann das Video fünfeinhalb Minuten dauern.

Wen wundert's, dass die Probanden den Film öde und dumm fanden. Doch dann untersuchte Merrifield, wie durch dieses Video verursachte Langeweile die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit beeinflusst. Das Testprotokoll sah eine Aufgabe eines klassischen kognitiven Aufmerksamkeitstests vor, bei dem die Teilnehmer das Auftreten oder Verschwinden von sternartigen Lichtfeldern auf dem Monitor beobachten sollten. Anschließend sollten sie sich das Video anschauen, sich langweilen und dann wieder dieselbe Aufgabe erfüllen. Auf diese Weise wollte Merrifield eigentlich den Einfluss von Langeweile auf die kognitive Leistung der Probanden beobachten; doch schon bald war ihr klar, dass sie das Experiment neu gestalten musste, weil die Aufgabe selbst langweiliger als das Video war.

Elektroschocks gegen die Langeweile
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Im Versuch von Timothy Wilson und seinen Kollegen entschieden sich zwei Drittel aller männlichen und ein Viertel aller weiblichen Probanden dazu, sich selbst einen unangenehmen Stromschlag zu verpassen, bevor sie einfach nur nichts taten.

Das war in gewisser Weise auch zu erwarten, nachdem vorausgegangene Tests genau solche Aufgaben zum Auslösen von Langweile eingesetzt hatten. Damit wurde auch gleich das Problem deutlich: Die bisherigen Studien ließen sich nur schwer vergleichen, weil Langeweile auf zu vielerlei Arten erzeugt worden war, beispielsweise durch das Korrigieren von Adressaufklebern oder das Zusammenfügen von Schrauben und Muttern. Zudem kommen mehrere Untersuchungen zu genau gegensätzlichen Ergebnissen; so war Langeweile in einer Studie mit einem Anstieg der Herzfrequenz korreliert und in einer anderen mit einem Absinken. Ohne einheitliche Messmethoden lässt sich aber nicht zeigen, was eigentlich stimmt.

Im Jahr 2014 verglichen Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh in Pennsylvania sechs Möglichkeiten zum Auslösen von Langeweile, die sich in drei Kategorien einordnen ließen: wiederholte körperliche Aktivitäten, einfache Denkaufgaben und Video- oder Audiomedien. Hiermit waren die ersten Ansätze zur Standardisierung gemacht. Die Wissenschaftler bestimmten mit Hilfe der MSBS-Skala die Intensität der ausgelösten Langeweile und dokumentierten die Emotionen der Probanden anhand von Fragebögen der "Differential Emotion Scale". Alle sechs Aufgaben erwiesen sich letztendlich als wesentlich langweiliger als die entsprechenden Kontrollaufgaben, und alle sechs riefen fast ausschließlich Langeweile hervor und keine anderen Emotionen. Am erfolgreichsten war dabei die Aufgabe, per Mausklick eine Klammer auf dem Bildschirm jeweils um eine viertel Umdrehung weiter im Uhrzeigersinn zu drehen.

"Langeweile wird damit zu einer messbaren Größe"
(Shane Bench)

"Ich glaube, es lässt sich auch ohne Video Langeweile im Labor auslösen", sagte Danckert nach dem Experiment und will nun eher auf Verhaltensaufgaben setzen. Doch die mangelnde Genauigkeit der Werkzeuge lässt viele Fragen offen. Etliche Probleme unserer Welt, sei es Abhängigkeit, Spielsucht oder Esslust, korrelieren stark mit Langeweile und stehen in klarem Zusammenhang mit der Selbstkontrolle der Betroffenen. "Langeweile würde ich als Mangel an Selbstregulation bezeichnen", sagt Danckert. "Die Betroffenen haben Probleme, sich mit den Aufgaben ihrer normalen Umwelt zu beschäftigen. Je besser die Selbstkontrolle des Einzelnen ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, in Langeweile zu verfallen."

Aber sind deshalb Selbstkontrolle und Langeweile unterschiedliche Stufen desselben Gefühls? Da ist sich nicht einmal Danckert sicher. "Betrachten wir einmal Menschen mit einer Gehirnverletzung. Ihr Problem sind Aussetzer in der Selbstkontrolle", sagt er. "Sie reagieren manchmal unangemessen impulsiv, sind eher risikobereit und neigen stärker zu Medikamenten- und Alkoholmissbrauch." Danckert hat all das auch bei seinem Bruder Paul nach dessen Unfall beobachtet.

Bei seinen Studienteilnehmern mit traumatischen Gehirnverletzungen – die meisten Mitte 40 – scheint das Alter den Link zwischen Langeweile und Selbstkontrolle geschwächt zu haben. Nach noch unveröffentlichten Daten Danckerts gaben die Patienten nämlich keineswegs eine geringere Selbstkontrolle an als die sonstige Bevölkerung – allerdings neigten sie laut Skala wesentlich stärker zu Langeweile. Danckerts Bruder scheint aber ein Beispiel für das Gegenteil zu sein. Auch wenn er jahrelang mit seiner Selbstkontrolle kämpfte, fühlt er sich inzwischen weniger gelangweilt und fand seine Liebe zur Musik wieder. "Musik ist das Wichtigste in seinem Leben, gleich neben seinen Kindern", erzählt Danckert. Somit ist anzunehmen, dass Langeweile und Selbstkontrolle auch unabhängig voneinander existieren können – wesentlich mehr kann man aus all den Daten noch nicht ableiten.

Schmerzhafte Langeweile

Doch die Forscher lassen sich von den bisher nur vagen Ergebnissen nicht abschrecken und wollen nun grundlegende Fragen beantworten und Werkzeuge sowie Standards entwickeln, um die wirklich wichtigen Punkte anzugehen. "Langeweile wird damit zu einer messbaren Größe", sagt Bench. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Definition von Langeweile, für die jeder nach wie vor seine eigenen Vorlieben hat. Ein deutsches Team beschrieb beispielsweise gleich fünf Typen von Langeweile. Relativ einig sind sich die Experten aber darin, dass die Betroffenen immerhin zeitweise bemüht sind, ihre Langeweile zu überwinden. Das bedarf nicht nur größerer Aktivität, als die meisten gewohnt sind, sondern auch ganz handfester Anstrengungen, um mit der Langeweile auch im realen Leben umgehen zu lernen.

Lench und Bench untersuchen derzeit, wie stark der Drang der Leute ist, nicht gelangweilt zu sein, und inwieweit sie mit sogar unangenehmen Erlebnissen Abhilfe schaffen. Die Idee basiert auf dem bekannten Zusammenhang von sensationslüsternem bis riskantem Verhalten und einer hohen Neigung zur Langeweile; im Einklang hiermit wurden 2014 in "Science" und im darauf folgenden Jahr in "Appetite" neue Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. In der ersten Studie sollten die Probanden 15 Minuten lang in einem Raum sitzen, in dem es nichts zu tun gab. Da waren einige Teilnehmer, insbesondere Männer, sogar eher dazu bereit, sich kleine Elektroschocks zu verpassen, als mit ihren Gedanken alleingelassen zu werden. Beim Experiment des zweiten Papers durften die Teilnehmer entweder unbegrenzt Süßigkeiten essen oder Elektroschocks erhalten. Bei Langeweile verspeisten die Probanden mehr Süßes und gaben sich öfter selbst Elektroschocks. Letzteres ist sicherlich nicht angenehm, doch anscheinend lässt sich etwas Neues, wenn auch Unangenehmes, immer noch besser ertragen als Monotonie.

Veränderungen könnten auch dazu beitragen, Langeweile beim Lernen zu überwinden. So berichteten Mitarbeiter des Psychologen Reinhard Peckrun von der Universität München davon, wie sie 424 Studenten ein Jahr lang beobachteten, deren Level an Langeweile bestimmten und die Testergebnisse dokumentierten. Gelangweilt zu sein, führte bei den Teilnehmern zu schlechteren Examensergebnissen, was wiederum zu stärkerem Abwenden von den Kommilitonen und zu noch stärkerer Langeweile führte. Solche Abläufe zeigten sich das ganze Jahr hindurch, unabhängig von Geschlecht, Alter, Interesse am Fach, Eigenmotivation und vorausgegangenen Leistungen. Anderen Untersuchungen zufolge lässt sich dieser Kreislauf aber durch das Eintreten von etwas Neuem durchbrechen.

Sae Schatz ist Direktor der Advanced Distributed Learning Initiative (ADL), einer Organisation für E-Learning, die Lernmaterialien für das US-Verteidigungsministerium entwickelt. In einer seiner Untersuchungen sollten Schüler computergestützt Physik lernen. Anfangs war das System so programmiert, dass die Schüler bei falschen Antworten beschimpft und bei richtigen gelobt wurden. Besonders erwachsene Schüler zeigten mit dieser Methode bessere Lernerfolge und stärkeren Willen, länger am Computer zu bleiben, sagt der Autor der Studie. Seiner Meinung nach gaben die Beschimpfungen genügend neue Eindrücke, und die Teilnehmer waren weniger anfällig für Langeweile.

In Zukunft wollen Forscher wie Eastwood nicht nur bessere Analysemethoden entwickeln, sondern auch herausfinden, was Langeweile eigentlich ist und warum sie mit so vielen anderen Gemütszuständen im Zusammenhang steht. Neben nordamerikanischen Collegestudenten wollen sie zudem andere Probanden beobachten, darunter ältere Leute und Angehörige verschiedener ethnischer und nationaler Gruppen. Nachdem Langeweile die Erziehung ebenfalls beeinflussen mag, ist auch eine auf Kinder zugeschnittene Version der BPS- und MSBS-Skala wichtig. Viele Forscher wollen ganz neue Wege gehen. So möchte Danckert weg von Selbstberichten der Teilnehmer und eher die Gehirnstrukturen seiner Probanden untersuchen, beispielsweise mit der Frage, ob sich Unterschiede bei hohen und niedrigen BPS-Werten finden. Möglicherweise lässt sich mit diesen Untersuchungen erklären, warum manche Patienten mit Gehirnverletzungen so sehr unter Langeweile leiden.

Laut Danckert müsste man unbedingt auch mehr Wissenschaftler für das Thema begeistern. "Wir stehen an einer Schwelle und könnten mit mehr Leuten schneller vorankommen."