Rote Feuerameisen (Solenopsis invicta) sind gewitzte Baumeister: Wenn die Tiere etwa auf der Suche nach Nahrung auf ein hohes Hindernis stoßen, dann können sie sich gemeinsam mit ihren Artgenossen in Windeseile zu hohen Türmen verketten, die ihnen neue Möglichkeiten eröffnen. Wie sie das schaffen, ohne dass dabei einzelne Ameisen unter dem Gewicht der anderen zerquetscht werden, berichtet nun ein Team um Sulisay Phonekeo vom Georgia Institute of Technology in Atlanta im Fachmagazin "Royal Society Open Science".

Die Wissenschaftler verfolgten mit Hilfe von High-Speed-Kameras und radioaktiven Tracern, was passierte, wenn sie eine Feuerameisenkolonie im Labor mit einem rutschigen Teflonstab konfrontierten. Dabei entdeckten sie, dass die Tiere die Türme mit ihren Körpern nach einem ähnlichen Prinzip errichteten wie die berühmten Flöße, die sie übers Wasser bringen: Die Ameisen laufen wie auf einem Parkplatz einfach hin und her und schlüpfen in die erste Lücke, die sie finden können. Das passiert unkoordiniert und ohne dass einzelne Tiere den Ton angeben.

Im Gegensatz zu den Ameisenflößen sind die Türme allerdings keine statischen Strukturen. Denn am wohlsten fühlen sich Feuerameisen im Schnitt mit drei Artgenossen auf den Schultern. Wird diese Grenze überschritten, dann klinken sich die Tiere aus und sinken bis zum Boden der Struktur, um sich anschließend einen neuen Platz zu suchen. Entsprechend verhalten sich die Ameisentürme dynamisch und geben stets ein wenig nach unten nach, wodurch eine breite Basis und eine schmale Spitze entstehen – ähnlich wie beim Pariser Eiffelturm. In der Bewegung, so zeigen die Kameraaufnahmen, sieht das Ganze dann ein wenig aus wie eine Wasserfontäne, die umgekehrt fließt.

Die Wissenschaftler hoffen, dass dieses Wissen eines Tages auch Robotikern helfen könnte, die versuchen, Schwärme aus winzigen Robotern zu programmieren. Möglicherweise kann man ihnen beibringen, sich nach denselben Prinzipien anzuordnen.