Eine Klasse von Industriechemikalien, die beim Menschen für eine Reihe Gesundheitsrisiken verantwortlich gemacht wird, haben Forscher um Bradley S. Moore von der University of California in San Diego in Schwämmen erforscht. Das Besondere an der in "Nature Chemical Biology" beschriebenen Untersuchung: Diese polybromierten Diphenylether (PBDE) sind keineswegs eingelagerte Umweltgifte. Die Arbeitsgruppe wies jetzt nach, dass die Stoffe von Zyanobakterien produziert werden, die in den Schwämmen leben. Moore und sein Team fanden nun die Gruppe von Genen, dank denen die Mikroorganismen PBDE herstellen, die unter anderem in den Hormonhaushalt eingreifen. Mit Hilfe dieser Daten will das Team nun erforschen, welche natürlichen Quellen für PBDE es im Meer gibt und welche Rolle sie für die menschliche Gesundheit spielen.

In der Technik kommen die polybromierten Diphenylether als Flammschutzmittel zum Einsatz, darunter in Computern und Elektronik, aber auch in Textilien und Schäumen für Möbelstücke. In den letzten Jahren sind mögliche Gesundheitsgefahren durch PBDE stärker in den Fokus gerückt, unter anderem weil es Hinweise auf hormonähnliche Wirkungen gibt. Wegen ihrer Allgegenwart und weil sie sich nachweislich in Fettgewebe und Muttermilch anreichern, gelten die Stoffe als problematisch.

Allerdings ist lange bekannt, dass viele Meeresorganismen ähnliche Substanzen enthalten – in Schwämmen können diese Stoffe bis zu zehn Prozent der Trockenmasse ausmachen – und diese natürlichen Flammschutzmittel auch in Menschen nachweisbar sind; über ihren Ursprung gab es allerdings vor allem Spekulationen. Die Studie von Moore und seinem Team belegt nun den lang gehegten Verdacht, dass die Zyanobakterien-Bewohner der Schwämme die Übeltäter sind. Warum die Symbionten der Schwämme PBDE produzieren, ist unklar – wahrscheinlich aber nicht zum Brandschutz.