Wenn alle Bedingungen zusammenpassen, kann man in feuchten Wintern im Wald eine skurrile Entdeckung machen: Auf dem toten Holz bestimmter Baumarten finden sich dann Eiskristalle, die dünn wie Haare sind und in ganzen Büscheln aus dem Ast oder Stamm herauswachsen.

Eine Chemikerin, ein Physiker und eine Biologin aus Deutschland und der Schweiz sind durch ihre heimischen Wälder gestreift und haben die Ursache dieser besonderen Eisstrukturen gesucht. Zunächst war klar, dass Haareis in feuchten Wintern entsteht und bei Temperaturen knapp unter null Grad Celsius. Darüber hinaus hatte der deutsche Geophysiker und Meteorologe Alfred Wegener bereits im Jahr 1918 das Haareis mit dem Myzel – den fadenförmigen Zellen eines Pilzes – in Zusammenhang gebracht. Anfang des 21. Jahrhunderts fand zudem der Schweizer Professor Gerhart Wagner, dass Haareis nicht entstehen kann, wenn das Holz mit einem Fungizid behandelt wurde.

Ziel der aktuellen Untersuchung war es nun, die genaue Art des Pilzes ausfindig zu machen. Nachdem die Forschenden in den Wintern 2012, 2013 und 2014 Holz gesammelt hatten, auf dem Haareis gewachsen war, untersuchten sie die darauf siedelnden Pilzarten. Eine bestimmte Art fand sich auf allen gesammelten Holzstücken; auf mehr als der Hälfte der Stücke war sie sogar der einzige anwesende Pilz: Exidiopsis effusa.

Auch die physikalischen Untersuchungen zum Wachstum der fadenförmigen Eisstrukturen sowie chemische Analysen des Wassers geschmolzener Eishaare bestätigten, dass die Pilzfäden die Ursache der eigentümlichen Struktur sind. Ihre Ergebnisse publizierten die Forschenden um Diana Hofmann nun im Fachblatt "Biogeosciences".

Dass die Bestätigung von Alfred Wegeners Pilz-Hypothese beinahe 100 Jahre dauerte, erklären die Wissenschaftler durch die Seltenheit des Phänomens. Wer Eishaare in der Natur beobachten will, muss bei geeignetem Wetter früh morgens im Wald unterwegs sein – denn tagsüber schmelzen diese besonderen Eisstrukturen schnell.