Kugelsternhaufen gehören zu den ältesten Sternansammlungen im Universum. Sie haben sich zum größten Teil vor rund 10 bis 13 Milliarden Jahren aus Ansammlungen von Gast und Staub gebildet, wobei ihre Sterne mehr oder weniger gleichzeitig entstanden. Besonders die massereichsten und kurzlebigsten von ihnen fegten mit ihren starken Sternwinden ihre Umgebung frei. Daher gibt es in Kugelsternhaufen kaum noch Gas und Staub, so dass keine neuen Sterne mehr entstehen können. Sie bestehen somit nur noch aus langlebigen, massearmen Sternen.

Allerdings sind auch wesentlich jüngere Kugelsternhaufen bekannt, zum Beispiel in der Großen Magellanschen Wolke (LMC), einer Begleitgalaxie unseres Milchstraßensystems. Hier zeigte sich durch spektroskopische Untersuchungen von NGC 1783, dass dieser Kugelsternhaufen vor rund 1,4 Milliarden Jahren entstand. Zur großen Überraschung des Forscherteams um Chengyuan Li am Kavli Institute for Astronomy and Astrophysics der Peking University in China fanden sich aber in NGC 1783 zwei weitere Sterngenerationen mit einem Alter von 890 Millionen und von 490 Millionen Jahren. Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich auch bei NGC 1696 in der LMC und NGC 411 in der Kleinen Magellanschen Wolke.

Der Kugelsternhaufen NGC 1783 in der Großen Magellanschen Wolke (Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble)
© ESA / Hubble & NASA
(Ausschnitt)
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Rund 160 000 Lichtjahre von uns entfernt in der Großen Magellanschen Wolke befindet sich der Kugelsternhaufen NGC 1783. Er enthält rund 170 000 Sonnenmassen an Sternen.

Offenbar haben sich die Sterne in diesen Kugelsternhaufen nicht alle auf einmal gebildet, sondern in Schüben. Wie kam es aber dazu? Die Forscher um Li vermuten, dass Kugelsternhaufen, die in der Hauptebene ihrer Galaxie umlaufen, in der sich große Mengen an Gas und Staub befinden, Materie mittels ihrer Schwerkraft aufsammeln und in ihrem Inneren anreichern können. So entstehen in ihnen dichte Ansammlungen aus Gas und Staub. Diese werden schließlich so dicht, dass sie unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren und dabei eine große Anzahl an Sternen gleichzeitig entsteht. Erstmals wurde diese Idee im Jahr 1952 veröffentlicht, konnte aber seinerzeit nicht mit Beobachtungen untermauert werden. Nun gibt es aber ernsthafte Hinweise darauf, dass die "Adoption" von Gas und Staub tatsächlich funktionieren kann und Kugelsternhaufen somit mehrere Sterngenerationen aufweisen können.