Im Gegensatz zu Wein kann man Bier nicht besonders lange lagern – und nach Ablauf des Verfallsdatums muss man damit rechnen, dass es nicht mehr schmeckt. Doch was passiert mit Bier, das 170 Jahre auf dem Grund der Ostsee lag? Das analysierten John Londesborough vom Technical Research Centre of Finland und seine Kollegen, nachdem Unterwasserarchäologen diverse Flaschen Bier aus einem ungefähr im Jahr 1840 in der Ostsee gesunkenen Schiff geborgen hatten. Dabei zerbrach eine der Flaschen, und die beteiligten Taucher berichteten, dass die austretende Flüssigkeit tatsächlich noch entfernt nach dem Hopfengetränk schmeckte und auch so aussah. Londesborough und Co zogen deshalb aus zwei noch mit Kork verschlossenen Exemplaren mit Injektionsnadeln Proben und schlüsselten sie chemisch auf.

Die Untersuchung ergab, dass es sich um zwei verschiedene Biersorten handelte, von denen die eine stärker gehopft war als die andere. Der damalige Hopfen wies zudem höhere Gehalte bestimmter Säuren auf als heutige Varianten und wurde zugefügt, bevor die Stammwürze gekocht wurde. Auf der Zunge dürfte das Gebräu modernen Bieren relativ ähnlich gewesen sein, folgern die Chemiker aus den vorhandenen Geschmacksstoffen – allenfalls die Rosennote dürfte intensiver ausgefallen sein, da deren Konzentration höher lag als mittlerweile üblich. Womöglich könnte dies aber auch an der Zeit auf dem Meeresgrund liegen, die trotz Kälte und Dunkelheit keine optimale Lagerung ermöglichte: Schließlich gelangte etwas Salzwasser durch den Korken ins Innere der Flaschen. Schlechter erging es zudem den Geruchsnoten, welche die Forscher an Kunststoffe, verbrannten Gummi, überreifen Käse und Ziegen erinnerten – "mit leichten phenolischen und schwefligen Beimischungen". Wohin das Schiff fahren sollte, ist unbekannt – an Bord befanden sich zudem noch Kisten mit Champagner, wie "Popular Science" berichtete. Doch über dessen gustatorische Eigenschaften ließen sich die Wissenschaftler in ihrer jetzigen Veröffentlichung leider nicht aus.