Wer davon überzeugt ist, dass Impfungen weit mehr nutzen als schaden, kann sich an Impfgegnern die Zähne ausbeißen. Zu verbreitet sind Fehlinformationen über angebliche Zusammenhänge zwischen Impfungen und Autismus und andere Vorurteile. Selbst die besten Argumente helfen nicht gegen diese Vorbehalte, stellen Impfbefürworter regelmäßig erstaunt und ernüchtert fest. Forschende um Zachary Horne von der University of Illinois in Urbana-Champaign haben nun eine bessere Strategie entdeckt: Anstatt die Fehlinformation über Impfschäden zu korrigieren, solle man lieber auf gravierende und langfristige Krankheitsschäden hinweisen, schreibt die Gruppe in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Forschenden befragten 315 Personen im Rahmen der Studie zu einer Reihe umstrittener Themen – darunter auch zu ihrer Haltung in Sachen Impfungen und ob sie ihr eigenes Kind impfen lassen würden. Nach der Befragung wurden die Testpersonen in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe bekam Informationsmaterial, das weit verbreitete Argumente von Impfgegnern widerlegte. Die zweite Gruppe wurde auf vielfältige Weise mit möglichen Folgeschäden von Masern, Mumps und Röteln konfrontiert: Die Probanden bekamen jeweils Fotos von erkrankten Kindern zu sehen, zudem lasen sie den Text einer Mutter, die über die Masernerkrankung ihres Kindes schrieb, und bekamen zuletzt auch drei kurze Mahnungen zur Bedeutung von Impfungen zu lesen. Die dritte Gruppe schließlich fungierte als Kontrolle – hier lasen die Probanden einen Text zu einem ganz anderen Thema.

Anschließend wurde bei allen Testpersonen nochmals die Haltung zu Impfungen abgefragt. Während sich bei den Mitgliedern der ersten Gruppe die Meinung zu Impfungen kaum stärker gewandelt hatte als in der Kontrollgruppe, zeigten sich in der zweiten Gruppe beachtliche Ergebnisse: Die Probanden, die mit den Krankheitsfolgen konfrontiert worden waren, hatten ihre Haltung zu Impfungen häufiger überdacht und geändert.

Eine frühere Studie anderer Autoren konnte in einem ähnlichen Versuchsaufbau keine signifikante Haltungsänderung der Testpersonen finden. Damals hatten die Studienautoren allerdings fünf verschiedene Personengruppen gebildet und ihnen jeweils nur eine Form der Impfaufklärung präsentiert: Die Probanden bekamen beispielsweise entweder Fotos kranker Kinder zu sehen oder den Text der Mutter eines erkrankten Kindes zu lesen. In der aktuellen Studie scheint daher die mehrschichtige Information der zweiten Probandengruppe der Auslöser für den Erfolg gewesen zu sein.

Dabei zeigte sich die größte Änderung der Meinung bei denjenigen, die zuvor beim Thema Impfen die größte Skepsis an den Tag gelegt hatten. "Einerseits ist das nicht sehr überraschend, denn die skeptischsten Personen müssen natürlich den größten Schritt machen, bis sie überzeugt sind", erklärt John Hummel, Koautor der Studie. "Dennoch ist dieses Ergebnis sehr wichtig, weil das die Menschen sind, die man überzeugen möchte."

Wer also in der nächsten Diskussion auf scheinbar unverbesserliche Impfgegner trifft, sollte, statt defensiv die Argumente des Gegenübers zu entkräften, lieber proaktiv die Gefahren der unterlassenen Impfung anführen. "Menschen, die Impfungen fürchten, tun dies letztendlich aus Sorge um ihre Kinder", meint Erstautor Zachary Horne. "Also setzen wir hier an: bei der Sicherheit der Kinder." Vor dem Hintergrund neuerlicher Masernausbrüche kann die Umstimmung von Impfgegnern tatsächlich Leben retten.