Viele Studien, die sich mit den Auswirkungen von Marihuana auf das Gehirn befassen, haben Raucher bisher außen vor gelassen. Ein Team um Francesca Filbey von der University of Texas in Dallas hat nun einen guten Grund gefunden, der dagegenspricht, diese Praxis in Zukunft weiter aufrechtzuerhalten. Ihre Untersuchung zeigt nämlich, dass der gemeinsame Konsum von Marihuana und Nikotin zu ungewöhnlichen Befunden im Hirnscanner und bei kognitiven Tests führen kann.

Die Wissenschaftler verglichen die Gehirne von insgesamt vier verschiedenen Probandengruppen im funktionellen Magnetresonanztomografen miteinander: Marihuana-Konsumenten, Nikotin-Kosumenten, Menschen, die sowohl regelmäßig Marihuana zu sich nahmen als auch mehr als zehn Zigaretten pro Tag rauchten, und Personen, die nichts von beidem in den vergangenen drei Monaten konsumiert hatten. Dabei entdeckten Filbey und Co zunächst, dass der Hippocampus, eine Hirnregion, die vor allem mit Lern- und Gedächtnisprozessen assoziiert ist, bei allen Versuchsteilnehmern, die in irgendeiner Form Marihuana einnahmen, im Schnitt deutlich kleiner war.

Eine Überraschung erlebten die Forscher dann, als sie genauer auf den Zusammenhang zwischen Hippocampusgröße und Merkvermögen blickten: Ein kleinerer Hippocampus hatte bei den abstinenten Kontrollprobanden zur Folge, dass auch ihre Leistungen im anschließenden Gedächtnistest schwächer ausfiel. Ganz anders sah es dagegen bei den Versuchspersonen aus, die sowohl Marihuana als auch Nikotin konsumierten: Sie schnitten gerade umso schlechter in dem Test ab, je größer ihr Hippocampus war; die Probanden mit dem fittesten Erinnerungsvermögen waren hier diejenigen, die gleichzeitig das kleinste Gedächtniszentrum im Gehirn besaßen. Bei Teilnehmern, die entweder nur Nikotin oder nur die Droge zu sich nahmen, ließ sich gar kein Zusammenhang zwischen Hippocampusgröße und Merkleistung feststellen.

Filbey und ihr Team hatten bei ihrem Versuch mit rund 20 Probanden pro Gruppe nur eine vergleichsweise kleine Anzahl an Studienteilnehmern. Dennoch sollten die Ergebnisse Wissenschaftler aufhorchen lassen, meinen sie. Da viele Marihuana-Konsumenten auch Zigaretten rauchen, lassen sich die Ergebnisse von früheren Studien aus der Hirnforschung vielleicht gar nicht auf sie übertragen, mahnen die Forscher. "Wir wussten schon immer, dass verschiedene Substanzen verschiedene Wirkungen auf das Gehirn haben und dass ihre Kombination nicht unbedingt linearen Zusammenhängen folgen muss", so Filbey. "Unsere Ergebnisse bestätigen, dass das Zusammenspiel von Marihuana und Nikotin komplizierter als bisher angenommen ist, weil hier einfach verschiedene Mechanismen am Werk sind." Um solche kombinierten Effekte genauer zu verstehen, bedarf es weiterer Studien.