Als um 850 n. Chr. skandinavische Schiffe an Englands Ostküste landeten, waren nicht nur Krieger an Bord – sondern auch viele Frauen. Diese griffen manchmal sogar selbst zur Waffe, so Shane McLeod von der University of Western Australia, der mehrere Wikingergräber dieser Zeit im Osten Englands untersuchte. Seine Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass die Wikinger nicht nur auf reiche Beute, sondern auch auf neues Siedlungsland in der Ferne hofften.

Wikinger auf
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Bisher gingen Forscher davon aus, dass sich einst vor allem die Männer aufmachten, um an fremden Gestaden zu plündern. Nachdem in englischen Gräbern aber immer mehr Schmuckstücke von Wikingerinnen auftauchten, untersuchte der Historiker die Gebeine in 14 bereits bekannten Wikingergräbern aus der Mitte des 9. Jahrhunderts. Das Ergebnis der Knochenanalyse: In sechs, vielleicht sieben dieser Gräber lagen keine Männer – sondern Frauen. Einer der Toten hatten die Angehörigen auch Waffen ins Grab gelegt – sie war also vermutlich eine Kriegerin, so McLeod.

Die Wikinger suchten England seit den 850er Jahren immer wieder heim. Wie in angelsächsischen Chroniken jener Zeit zu lesen ist, zogen sie plündernd und brandschatzend umher. Dass an Bord der Schiffe auch zahlreiche Frauen waren, könnte das Bild der beutehungrigen Barbaren jedoch relativieren. McLeod zufolge waren die ersten Ankömmlinge nämlich nicht allein auf reiche Beute aus, sondern wollten sich schon damals dauerhaft auf der Insel niederlassen.

Katharina Bolle

Early Medieval Europe 19/3, 2011