Bei vielen Vogelarten sind die Männchen deutlich bunter gefiedert als ihre Artgenossinnen. Forscher erklären sich das vor allem durch sexuelle Selektion: Nur die Männchen mit den schönsten Federkleidern können letztlich bei einem Weibchen landen. Wie eine Untersuchung von Wissenschaftlern um Bart Kempenaers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen nun zeigt, hat die sexuelle Selektion aber möglicherweise einen noch viel größeren Einfluss auf die Färbung der Weibchen. Die Forscher analysierten das Gefieder von fast 6000 verschiedenen Singvogelarten im Detail und kamen anschließend zu dem Schluss: Leben einzelne Arten polygam – paart sich ein Männchen also mit vielen Weibchen –, werden weibliche Vögel in einem stärkeren Ausmaß farbloser, als die Farbenpracht der Männchen auf der anderen Seite zunimmt.

Anders sieht es dagegen bei Arten aus, die in festen Partnerschaften leben oder bei denen der Konkurrenzkampf aus anderen Gründen unter den Weibchen stärker ausgeprägt ist: Hier haben die weiblichen Vögel mitunter sogar ein noch farbenprächtigeres Federkleid als die Männchen. Gleichermaßen bunt gefärbt sind auch Männchen und Weibchen jener Arten, die in tropischen Regionen leben oder die besonders groß sind. Die Forscher erklären das damit, dass in den Tropen der Wettbewerb um Ressourcen generell stärker sei, weshalb alle bunter sein müssten. Größere Vögel würden dagegen ohnehin seltener Opfer von Fressfeinden und müssten sich entsprechend weniger um Tarnung und Unauffälligkeit scheren.

Dass die Wissenschaftler sich eine derart große Menge an Vogelarten anschauten, zieht allerdings auch methodische Probleme nach sich, wie Forscherkollegen bemängeln. So beschränkten sich Kempenaers und Co bei ihrer Untersuchung im Großen und Ganzen auf die Analyse von Abbildungen aus dem "Handbuch der Vögel der Welt", anstatt sich das Gefieder echter Tiere anzuschauen. Das liefert insofern kein vollständiges Bild, als viele Arten unter anderem auch im UV-Bereich sehen und demnach "bunt" für ihre Augen etwas anderes bedeuten kann als für menschliche Augen. Der Ornithologe Richard Prum von der Yale University bezeichnet das Vorgehen der Forscher daher gegenüber "Science Now" als "skandalös".

Den Autoren ist bewusst, dass sie manche Aspekte der Gefiederfärbung durch ihren Ansatz unberücksichtigt lassen. Die große Stichprobe sorge aber dafür, dass die Ergebnisse dennoch von hoher biologischer Relevanz seien, sagt Erstautor James Dale von der Massey University in Auckland, Neuseeland.