Brasilianische Frösche zweier Arten sondern ihr Gift nicht nur über die Haut ab, sondern verwenden Giftstacheln auf dem Kopf, um sich vor Angreifern zu schützen. Diese Entdeckung machte jetzt ein Forscherteam um Carlos Jared vom Butantan Institute in São Paulo. Amphibien galten bisher als passive Verteidiger. So haben einige Frösche eingelagerte Drüsen in der Hautoberfläche, die giftige Substanzen produzieren. Doch nun haben die Forscher entdeckt, dass Frösche der Arten Corythomantis greeningi und Aparasphenodon brunoi zahlreiche, mit dem bloßen Auge nicht auszumachende Stacheln im Kopfbereich besitzen, die sie in die Haut des Angreifers drücken, um Gift zu injizieren. Diese Frösche scheinen sich also aktiv wehren zu können. Die bisherige Annahme, Amphibien geben ihr Gift passiv ab, wurde damit widerlegt.

Schädel des Corythomantis greeningi
© Carlos Jared/Butantan Institute
(Ausschnitt)
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Beeindruckend ist daneben auch die immense Giftigkeit der Frösche. Das Gift des A. brunoi ist knapp dreimal wirksamer als das Nervengift Tetrodotoxin, der Hauptbestandteil des Gifts von Kugelfischen. So schätzen die Forscher, dass schon ein Gramm davon ausreicht, um etwa 80 Menschen zu töten. Eine unachtsame Begegnung mit den Tieren wird für den Menschen allerdings nicht gleich tödlich enden, wie Studienleiter Edmund Brodie erläutert: Die Frösche würden nur geringe Mengen des Sekrets ausscheiden und dadurch lediglich starke Schmerzen um den Injektionspunkt herum auslösen, die einige Stunden anhalten. Diese Erfahrung machte Brodies Kollege Jared übrigens selbst, als er beim Sammeln von Fröschen zufällig in den Stachel eines C. greeningi fasste. Jared hatte Glück, denn dies ist die weniger giftige der beiden Froscharten.