Narzisstische Tendenzen können sich bereits im Kindesalter entwickeln, etwa wenn Eltern ihren Sprössling zu sehr behüten oder übertrieben loben. Eine weitere kritische Phase bildet offenbar der Einstieg ins Berufsleben. Boomt die Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt, neigen Berufsanfänger eher zu Narzissmus, wie Emily Bianchi von der Emory University in Atlanta herausfand.

Wer in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit seinen ersten Job suchen musste, stimmte häufiger zurückhaltenden Selbsteinschätzungen zu wie: "Ich hoffe, dass ich Erfolg haben werde." Wer dagegen während einer wirtschaftlichen Hochphase in den Beruf einstieg, wählte eher narzisstische Antworten wie: "Ich werde eine große Persönlichkeit sein."

Selbstverliebte Firmenchefs

Bereits frühere Studien hatten ergeben, dass narzisstische Persönlichkeiten dazu neigen, ihre Rolle im Unternehmen zu überschätzen und sich selbst ein höheres Gehalt zuzusprechen als anderen Führungspersonen. Als Hinweis auf Selbstverliebtheit nutzte Bianchi daher auch das Einkommen von Geschäftsführern, die weit gehend frei darüber entscheiden können, wie hoch sie selbst und andere Mitarbeiter entlohnt werden.

Tatsächlich zahlten sich Firmenchefs, die in wirtschaftlich guten Zeiten ins Berufsleben eingestiegen waren, vergleichsweise höhere Gehälter als solche, die ihre Ausbildung in Krisenzeiten beendet hatten. Die Wirtschaftslage zur Zeit des ersten Jobs beeinflusst demnach noch Jahre später Persönlichkeit und Verhalten.