In einer bisher einzigartigen Kooperation fand ein internationales Forscherteam reichlich geschmolzenes Gestein unter dem nordkoreanischen Berg Paektu. Der Vulkan gilt als einer der gefährlichsten in der Region und verursachte um das Jahr 946 herum einen der schwersten Ausbrüche der Geschichte. Das Team um Kayla Iacovino vom US Geological Survey platzierte Seismografen auf der bislang unzugänglichen Ostseite des Paektu, die im Zeitraum von August 2013 bis August 2015 die Aktivität im Untergrund vermaßen. Dabei stellte es fest, dass etwa 20 Kilometer vom Vulkan entfernt die Geschwindigkeit von Scherwellen im Gestein absinkt – ein deutliches Zeichen für geschmolzenes Gestein.

Der Paektu brach im Jahr 1903 zum letzten Mal aus und ruht seither. Erst im Jahr 2002 machte er wieder durch Bebenschwärme auf sich aufmerksam. Während die Erschütterungen bald nachließen, blieb die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf den Berg gerichtet. Wegen der politischen Lage in Nordkorea jedoch werkelten Vulkanologen beiderseits der Grenze getrennt vor sich hin, ohne ein Gesamtbild zu schaffen. Erst durch die Kooperation mit Ri Kyong-Song von der Erdbebenbehörde in Pjöngjang ist die Ostseite des Bergs für ausländische Forschergruppen mit moderner Ausrüstung zugänglich. Dank der Messungen kennt man nun das Magma unter dem Berg – doch man weiß nicht genug über die historische Aktivität des Paektu, um daraus auf baldige Ausbrüche schließen zu können.