Kein bekannter Ort der Erde sieht mehr Gewitter als der Maracaibo-See in Venezuela: An 260 bis 300 Tagen pro Jahr blitzt und donnert es hier; nachts bilden die Wetterphänomene längst ein touristisches Schauspiel, das angeblich schon Alexander von Humboldt begeistert hat. Mit Hilfe des NASA-Satelliten Tropical Rainfall Measuring Mission (TRMM) hat Rachel Albrecht von der Universität Sao Paulo ausfindig gemacht, an welcher Stelle des Sees die meisten Blitze einschlagen und wie oft dies geschieht. Die Messgeräte von TRMM erfassen sehr exakt, wo die elektrostatischen Entladungen einschlagen; die entsprechenden Daten aus der Zeit von 1998 bis 2013 ermöglichen daher eine genaue raumzeitliche Auswertung. Das Ergebnis bestätigt und rechtfertigt den Ruf des Maracaibos: Pro erfasstem Quadratkilometer schlägt hier im Jahr durchschnittlich 250-mal der Blitz ein, an zweiter Stelle kommt die Region Kabare im Kongo mit einem Wert von 232 Blitzen pro Quadratkilometer. Den Spitzenwert zuvor hielt ein Gebiet in Ruanda, doch basierte diese Annahme auf schlechter aufgelösten Satellitendaten.

Am Maracaibo wiederum ist vor allem das Mündungsgebiet des Rio Catatumbo betroffen; hier schießen in heftigen Gewittern bis zu 28 Blitze pro Minute auf kleinstem Raum nieder. Schuld an diesem Wetterphänomen ist die Geografie der Region: Ausdauernd streichen feuchtwarme Luftmassen über den See und die angrenzenden Ebenen, bevor sie auf die Andenausläufer der Cordillera de Mérida treffen. Das Gebirge umschließt das Feuchtgebiet auf drei Seiten und zwingt die Luft zum Aufstieg. Dabei bilden sich vor allem nachts Gewitterwolken, die sich stetig entladen. Der insgesamt blitzreichste Kontinent ist Afrika, wo sich 283 der 500 elektrostatisch am stärksten betroffenen Städte oder Dörfer der Erde befinden. Europa taucht in dieser Liste dagegen überhaupt nicht auf – ein Zeichen für die gemäßigten Klimabedingungen hier zu Lande.