Verhaltensforscher ahnten schon lange, dass Wölfe besser zusammenarbeiten als Hunde. Das klingt für den gemeinen Hundehalter vielleicht zunächst irritierend, liegt aber in der Natur: Denn gerade typische Haushunde und ihre Vorfahren hatten in den vielen Generationen ihrer Domestikation häufig Umgang mit Menschen, aber wenig Kontakt zu Artgenossen. Anders der Wolf, der sich fast stets im Rudel mit seinesgleichen auseinandersetzt. Das hat dazu geführt, dass Wölfe mit Wölfen viel besser zusammenarbeiten als Hunde mit Hunden, spekulierten Wissenschaftler aus Österreich – und bewiesen es mit einem auf die Fragestellung zugeschnittenen Verhaltensexperiment, das sie jetzt in "PNAS" veröffentlicht haben.

Um möglichst faire Bedingungen zu schaffen, verglichen sie nicht verhätschelte und verhaltensbiologisch allmählich degenerierende Zwergpinscher. Stattdessen analysierten Sarah Marshall-Pescini von der Universität Wien halb wilde, in Hunderudeln frei laufende Tiere, die neben kleinen Wolfsrudeln im Wolfsforschungszentrum des Wildparks Ernstbrunn gehalten werden. An diesen Tieren testen Wissenschaftler schon seit einiger Zeit, was die Stammform Wolf und seine domestizierten Abkömmlinge, die Hunde, vor allem in den kognitiven und kooperativen Fähigkeiten voneinander unterscheidet.

Die Forscher passten Experimente an, mit denen sonst vor allem die innerartliche Kooperation und Kommunikation von Menschenaffen wie Schimpansen und Bonobos getestet wird. Dabei sollen beispielsweise zwei Tiere kooperieren, indem sie gemeinsam an zwei Seilzügen ziehen, um eine Leckerei zu bekommen. Dies gelang Wölfen deutlich besser und nach wenigen Versuchen, während Hunde meist vermieden, gemeinsam an der Essensausgabe zu arbeiten. Wahrscheinlich, so Marshall-Pescini, "vermeiden Hunde einfach Konfliktpotenzial". Wölfe sind es dagegen gewohnt, gemeinsam zu fressen und sich dabei auch einmal um die besten Brocken zu streiten, ohne dass dies nachhaltige Störungen im Rudel provoziert.

Insgesamt führte dies dazu, dass Wölfe in 100 von 416 Versuchen gemeinsam Essen angeln konnten – während gerade einmal zwei Hundepaare Erfolg hatten. Offensichtlich kooperieren Hunde nicht mehr miteinander, sondern eher mit menschlichen Bezugspersonen: Auch Schlittenhunde werden demnach eher durch den Menschen als durch die gemeinsame Arbeit motiviert. Die Forscher möchten aber nun erst noch untersuchen, ob vielleicht unterschiedliche Hunderassen unterschiedlich kooperativ sind – und ob die offensichtlich selbst als Rudeltiere konfliktscheu aufgewachsenen Hunde doch kooperieren, wenn sie in einem im Design angepassten Experiment für eine Zusammenarbeit nicht allzu sehr in die Komfortzone eines Artgenossen müssen. Fest steht aber schon jetzt, dass die Scheu vor Rudelgenossen einen deutlichen Unterschied von Hund und Wolf darstellt.