Der Yellowstone-Supervulkan besitzt womöglich keine Verbindung mehr zu heißem Gesteinsmaterial im Erdmantel, meinen die Geologen Derek Schutt und Ken Dueker von der University of Wyoming in Laramie. Dies bedeute aber nicht, dass der schlafende Riese nun völlig erloschen sei, so die Forscher.

Wie die Vulkane von Hawaii gilt der Yellowstone als ein Hotspot in der Erdkruste, in dem Magma aus dem Mantel an Schwachstellen inmitten kontinentaler oder ozeanischer Platten aufsteigt – und nicht wie sonst meist üblich an deren Rändern. Über Seismometer, die um den Hotspot platziert sind, beobachteten die Forscher, wie stark sich Erdbebenwellen abschwächen, wenn sie die Gesteinsschichten des Yellowstones passieren. Über die Geschwindigkeitsunterschiede und weitere Parameter lässt sich dann die Temperatur berechnen, die im Hotspot ungefähr herrscht. Verglichen mit Hawaii ist der Yellowstone danach eher "lauwarm": Sein Inneres ist nur 50 bis 200 Grad Celsius heißer als die Umgebung.

Ob es sich dabei nur um eine zeitweilige oder eine dauerhafte Abkühlung handelt, können die Forscher noch nicht sagen. Möglicherweise begann sie nach dem letzten Ausbruch des Supervulkans vor 600 000 Jahren. Es steigt allerdings noch immer warmes, geschmolzenes Gestein auf, jedoch deutlich weniger als früher. Dennoch reicht die Temperatur aus, um die berühmten Geysire des Yellowstones zu betreiben. Bei der letzten Eruption verheerte der Vulkan die Umgebung über Hunderte von Kilometern und bedeckte nahezu die Hälfte der heutigen USA zentimeterdick mit Asche. Und auch wenn der Supervulkan momentan möglicherweise von seiner Quelle abgekoppelt ist, gänzlich inaktiv ist er nicht: In letzter Zeit wurden wieder erhöhte magmatische Aktivitäten registriert. (dl)