In Deutschland brüten immer weniger Vögel: Während Experten 1998 noch 97,5 Millionen Brutpaare verzeichneten, waren es 2009 nur noch 84,8 Millionen. Das bedeutet einen Rückgang von 12,7 Millionen Brutpaaren oder 13 Prozent des Bestands. Diese Zahlen gehen aus einer Analyse des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) hervor, die sich auf Bestandsdaten stützt, die die Bundesregierung 2013 an die EU übermittelte.

Betroffen sind vor allem weit verbreitete Arten wie Haussperling, Wintergoldhähnchen und Buchfink. Mit rund 2,6 Millionen Brutpaaren weniger hat der Star die meisten Federn lassen müssen. "Während wir es schaffen, große und seltene Vogelarten durch gezielten Artenschutz zu erhalten, brechen gleichzeitig die Bestände unserer Allerweltsvögel ein", sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Für den Rückgang machen die Experten vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft verantwortlich, die artenreiche Wiesen- und Weideflächen drastisch reduziert hat. Sie könnte auch schuld am dramatischen Insektensterben sein, für das Wissenschaftler am 18. Oktober 2017 in der Fachzeitschrift "PLoS One" neue Belege präsentierten. "Ein direkter Zusammenhang mit dem Vogelrückgang ist sehr wahrscheinlich, denn fast alle betroffenen Arten füttern zumindest ihre Jungen mit Insekten", so Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV). LBV und NABU fordern deshalb, die Vergabe von Fördergeldern für die Agrarwirtschaft an konkrete Naturschutzmaßnahmen zu knüpfen.