Ortwin Renn hat im Interview mit spektrum.de ("Zehn Jahre reichen für den Ausstieg aus") versucht, die Empfehlung der Ethikkommission zum überstürzten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie innerhalb von zehn Jahren zu verteidigen. Die von der Bundeskanzlerin und Klaus Töpfer handverlesene Kommission sollte eine Begründung für den schon gefassten Beschluss zum Ausstieg liefern. Sie sollte begründen, was rational nicht leicht zu verstehen war, hatten doch die Fraktionen der Regierungskoalition sechs Monate zuvor eine Verlängerung der Laufzeiten der als sicher eingestuften Kernkraftwerke beschlossen.
Um eine lange Debatte im Bundestag und seinen Ausschüssen über eine so wichtige Frage zu vermeiden, sollte ein außerparlamentarisches Gremium den nötigen Druck aufbauen. Dazu war es notwendig, für die Kommission nur solche Mitglieder auszuwählen, mit deren Kooperation man rechnen konnte. Deshalb waren (nach Renns Worten) "genau die Forscher, um die es am ehesten gegangen wäre – die Reaktorsicherheitsfachleute oder Spezialisten für Energietechnik und Energiesysteme –, nicht vertreten". Neben Theologen, Soziologen und Gewerkschaftern waren die einzigen Mitglieder mit naturwissenschaftlichem Hintergrund Wissenschaftsmanager im öffentlichen Dienst.
Der Spiritus Rector der Kommission, Klaus Töpfer, verkündete dann auch öffentlich das Ergebnis der Kommissionsarbeit, bevor diese begonnen hatte. Eine Abweichung von dieser Meinung war nicht vorgesehen. Dabei hat sich in Deutschland durch den Unfall in Japan sachlich nichts verändert: Die Sicherheit unserer Kernkraftwerke ist gleich geblieben, Tsunamis kommen nicht vor, Erdbeben sind 1000-mal schwächer als in Japan, und gegen Flugzeugentführer helfen Passagierkontrollen und Vernebelungsstrategien. Durch die politisch schon getroffene Entscheidung der Kanzlerin zum Ausstieg hatte die Kommission nur noch die Aufgabe, die Begründung zu liefern und den Zeitrahmen festzulegen.
Dabei ist erstaunlich, dass die Kommission einerseits fordert, der Zeitrahmen für den Ausstieg müsse so bemessen sein, dass eine alternative Stromerzeugung aufgebaut werden kann, aber andererseits sich für kompetent hält, dafür einen engen Zeitrahmen von zehn Jahren zu empfehlen. An keiner Stelle des Berichts wird der Versuch unternommen, für diese kühne Forderung eine konkrete quantitative Begründung zu geben. Für die Umstellung unserer gesamten Stromversorgung und damit unserer Wirtschaft ist das ein unrealistisch kurzer Zeitraum, der weniger auf rationalen Überlegungen als auf dem Prinzip Hoffnung beruht.
Diesen Zeitrahmen haben die Regierung und der Bundestag übernommen, ohne die Folgen konkret zu übersehen. Unter Zeitdruck konnten der Bundestag und seine Ausschüsse keine breite öffentliche Diskussion führen. Es fehlt eine belastbare empirische Begründung, die die Fragen der Versorgungssicherheit, der Finanzierbarkeit, der Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und die soziale Gerechtigkeit hätte behandeln müssen. Im Gegensatz zu dem Ausstiegsplan der Regierung Schröder, der mit der Industrie abgestimmt war und von dieser als realisierbar eingeschätzt wurde, ist dieses Gesetz ohne Anhörung der Industrie und gegen sie beschlossen worden. Dadurch müssen die vier überregionalen Energieversorger große Vermögensverluste hinnehmen, die ihre Fähigkeit, in den Aufbau der erneuerbaren Energien und der benötigten fossilen Kraftwerke zu investieren, schwächt.
Mit der Reaktion auf den Unfall in Fukushima steht die Bundesregierung in Europa und der Welt ziemlich isoliert da. Dabei gilt nach Herrn Renns Worten: "Es ist nicht unethisch, Kernenergie zu betreiben. Und wenn andere Staaten zu dem Schluss kommen, weiter auf Kernenergie zu setzen, ist das durchaus moralisch vertretbar."
Warum kommen dann die Ethikkommission und Herr Renn zum Ergebnis, für Deutschland sei (aus ethischen Gründen?) der Ausstieg geboten, während die meisten unserer Nachbarn und alle großen Mächte der Welt zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen Kernenergie nutzen oder ausbauen? Hier wird aus der Ethikkommission plötzlich eine Sachverständigenkommission, die über physikalische und technische Fragen ein Urteil abgibt. Sie sieht sich offenbar als kompetent an und ist "der festen Überzeugung, dass der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie innerhalb eines Jahrzehnts … abgeschlossen werden kann" (Seite 4 des Berichts).
Hier macht eine Kommission ohne Energieexperten eine weit reichende wissenschaftliche Aussage, die profundes Sachwissen voraussetzt. Herr Renn – und wohl auch die Kommission – glauben offenbar, dass der zu jeder Sekunde verfügbare und benötigte Grundlaststrom aus Kernkraftwerken durch die zeitlich variablen und volatilen Beiträge von Wind und Sonne "ersetzt werden kann" (Renn). Sowohl die Windkraft wie die Fotovoltaik liefern Strom nur für günstige Zeitperioden. Die volle Leistung erreichen Windkraftwerke an Land durchschnittlich während vier Stunden und im Meer während zehn Stunden am Tag, die Fotovoltaik während zweieinhalb Stunden am Tag. Die Grundlast an Strom für Industrie und Haushalte wird zurzeit je zur Hälfte von Braunkohle und Kernkraft getragen. Diesen Bedarf können die erneuerbaren Energiequellen für die nächsten 20 Jahre nicht zuverlässig liefern.
Auch wie die notwendigen 3000 Kilometer Hochspannungsleitungen von den Windkraftanlagen an der Küste zu den südlichen Bundesländern und die fünffache Kapazität an Pumpspeicherkraftwerken in den Mittelgebirgen in diesem kurzen Zeitraum gebaut werden sollen, sagt die Kommission nicht. Das gefährliche Risiko eines großflächigen Stromausfalls wird nicht ernst genommen. Im Jahr 2011 konnte die fehlende Strommenge noch aus den französischen und tschechischen Kernkraftwerken importiert werden: Dort arbeiteten im Jahresmittel zwei Kraftwerke beziehungsweise eines nur für den Export nach Deutschland. Wir importieren den Strom und versuchen das Risiko an die Nachbarn weiterzureichen. Bei vorherrschenden Westwinden und 50 französischen Kernkraftwerken in Betrieb ist das allerdings eine Illusion.
Außerdem behauptet die Kommission, dass "die wirtschaftlichen Risiken der Alternativenergien nach heutiger Sicht überschaubar und begrenzbar" seien. Diese Einschätzung wird sich als falsch herausstellen, denn durch die staatlich festgelegten Einspeisungsgebühren für Fotovoltaik und Windkraft und andere Steuern werden die Stromabnehmer mit weit mehr als 100 Milliarden Euro belastet. Die deutschen Strompreise für Industrie und Privatkunden liegen schon heute 80 Prozent über den französischen Preisen, und sie steigen weiter. Dies bringt die energieintensiven Industriezweige, die Aluminium, Kupfer, Karbonfasern, Silizium oder Zement herstellen, in eine auf Dauer unerträgliche Lage. Bisher hat die Regierung diese Unternehmen durch eine weitere Subvention von den Preissteigerungen verschont, aber diese Sonderregelung wird von der Europäischen Kommission nicht geduldet. Die Unternehmen haben einen Stromkostenanteil von etwa 60 Prozent, und ihr Verbleib in Deutschland ist gefährdet. Mit der Grundstoffindustrie wird dann auch die Halbzeugherstellung abwandern.
Eine weitere Fehleinschätzung der Kommission liegt in den widersprüchlichen Aussagen zur Emission des Treibhausgases CO2. Auf Seite 22 heißt es: "Fossilbefeuerte Kraftwerke mit einer Leistung von 11 Gigawatt … werden ans Netz gehen", was einer Mehremission von etwa 90 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr entspricht. Auf Seite 21 heißt es aber, die Klimaziele für 2020, das heißt die Reduktion der Emissionen um 30 Prozent oder 300 Millionen Tonnen pro Jahr gegenüber 1990, seien "zu erreichen".
Als Fazit kann man festhalten: Der überstürzte Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie hat schwer wiegende Folgen. Deutschland wird massiv Strom aus den Kernreaktoren der Nachbarländer Frankreich, Tschechien und der Schweiz importieren und viele Kohle- und Gaskraftwerke bauen müssen, um Stromausfälle zu vermeiden. Die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid werden ansteigen, und die Klimaziele der Regierung können nicht erreicht werden. Der Anstieg der Strompreise durch die Einspeisung der erneuerbaren Energien und den Zwang zum Kauf von CO2-Zertifikaten wird Deutschland als Standort für die energieintensiven Industriezweige benachteiligen und viele Arbeitsplätze gefährden. Deutschland geht ein großes Risiko ein: Die reale Gefahr besteht darin, dass alle drei Ziele einer rationalen Energieversorgung verfehlt werden – Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaverträglichkeit.








1. Eine Frage der Perspektive
28.03.2012, Roland SchröderWenn alle Beteiligten wirklich wollten und alles in ihrer Macht stehende dazu täten, würde die Energiewende in zehn Jahren gelingen. Leider stehen zu viele auf der Bremse. Die Politik aus Geldmangel und die Energielobby aus wirtschaftlichen Gründen. Ist eine Energiewende in zehn Jahren möglich? Theoretisch: ja, praktisch: nein.
2. Ein einsamer Rufer in der Wüste
28.03.2012, Fritz Kronberg3. Immer sind die Anderen schuld!
28.03.2012, Horst WetzelNun das ist eine selbstgerechte Form sich nicht mit Argumenten der Anderen auseinander zu setzen!
Als gelernter DDR-Bürger kenne ich das! Mit der Losung von Rosa Luxemburg "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden..." (http://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg) hat sich die Opposition dagegen zur Wehr gesetzt. Erfolgreich!
Sachlichkeit ist notwendig, ideologische Verbrämung ist nicht zielführend!
4. Allein in der Welt?
28.03.2012, Dr. Peter ZieglerUnd in Japan, DEM Land der Kernenergie, stehen ALLE Kernraktoren bis auf einen still! Die jeweiligen Regionalregierungen sind nicht bereit, die wegen Wartungsarbeiten abgeschalteten Raktoren wieder ans Netz gehen zu lassen. SOOO allein stehen wir also nicht - und wieviele Staaten haben erst gar keine Kernreaktoren gebaut?
Je schneller aus der Kernenergie ausgestiegen wird, desto geringer die Gefahr eines Super-GAU. Und dass diese Gefahr sehr konkret ist, beweisen die Unfälle der letzten Zeit.
5. Freiheit Andersdenkender
28.03.2012, Roland Schröder6. Ököphantasten
28.03.2012, Tilo Friedrich7. Dekadente Selbstzerstörung
28.03.2012, Axel Siegler[Gekürzt. Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien, waren einen freundlichen Umgangston und unterlegen Ihre Meinung mit Argumenten. Vielen Dank! (jo/Spektrum.de)]
8. Über Ethik in Systemen lässt sich streiten
29.03.2012, BieskiAber es ist schon ein ganz besonderer Vorgang in der Politik, einen so gewagten und gewaltigen Schritt für die Umstellung eines Technischen-, Wirtschafts- und damit auch Sozialsystem vom Urteil eines willkürlich ausgewählten Kreises mehr oder weniger ideologisch und daher vorbelasteter Persönlichkeiten und dann davon noch wenig Betroffener, abhängig zu machen.
Fachleute hätten zwar die ideologischen Zielstellungen stören können, aber zumindest wären die positiven und möglichen negativen Auswirkungen in eine sachliche Beurteilung eingeflossen und auch beachtet worden. Eine große Chance für eine längst fällige Neuordnung des Energiesektors wurde vertan und die negativen Auswirkungen werden uns noch jahrzehntelang anhängen
9. Argumente? Optionen? Kosten?
30.03.2012, Jonas S.- so viel schneller als der Ursprünglich geplante Atomausstieg wird's ja jetzt auch nicht gemacht - was genau ist also das Problem?
- wenn man mangelnde Kompetenz vorwirft, sole man selbst natürlich mit Sachwissen und -argumenten nur so um sich werfen - leider passiert das nicht, anstattdessen warden einzelne Punkte aus dem Bericht aufgegriffen, als unsinnig abgetan - und das dann leider nicht begründet.
- unabhängig von Expertenmeinungen und sonstigem - Demokratie bedeutet, dass die Mehrheit entscheided, auch wenn es einem (vielleicht sogar begründeterweise) gegen den Strich geht. Klar kann auch die Mehrheit nicht entscheiden, dass eins und eins ab jetzt drei ergibt - in der Frage der Energieversorgung ist das doch aber wohl drin.
- Wieviel Arbeitsplätze hängen den jetzt eigentlich genau an diesen energieintensiven Branchen? Und andersrum - wieviel Arbeitsplätze können in einer "Effizienz"-Branche geschaffen werden?
- Atomkraft ist TEUER. Zumindest für die Gesellschaft, selbst ohne GAU - Rückbau, Lagerung, die Subventionen die eh schon in der Vergangenheit geflossen sind.
- Atomkraft ist furchtbar kompliziert und zentralisiert, und nur einzelne Unternehmen profitieren. Bei den Dezentralen verdient auch der Handwerker von nebenan, gleiches bei Wärmedämmung von Häusern usw.
- Vielleicht haben wir einen höheren Strompreis - gleichzeitig aber auch besser isolierte Häuser. Was kommt UNTERM STRICH den tatsächlich als Mehrbelastung raus?
- Warum wird mit keinem Wort die Situation vor ein paar Wochen erwähnt, als deutscher Solarstrom in Frankreich beim Häuserheizen geholfen hat?
- Pumpspeicherwerke … das ist also unsere einzige Option für Energiespeicherung? Warum wird mit keinem Wort die Möglichkeit von Strom-zu-Gas erwähnt, wo wir als netten Nebeneffekt schon die komplette Infrastruktur inclusive gigantischer Speichermöglichkeiten haben?
- Schade für die großen, überregionalen Energieversorger. Riesen Verluste. Im Normalfall wirft man in so einem Fall die Geschäftsführer raus, weil sie offensichtlich die Zeichen der Zeit verkannt haben und NICHT schon vor zehn Jahren viel starker in Regenerative investiert haben. Selber Schuld, Strukturwandel verkannt, setzen, sechs.
- Klar kann Atomkraft sicher sein - aber siehe Norwegen, was kostet den ein neues AKW? Wieivele Milliarden? Da ist die Energiewende doch nicht so wesentlich teuerer (wenn net billiger).
- Persönliche Meinung: mir ist eine dezentrale Energieversorgung, wo die einzelnen Erzeugerstellen Privatpersonen oder Stadtwerken gehören zehnmal lieber als eine zentralisierte, wo ein paar Großkonzerne n Haufen Geld machen!
Und ganz grundsätzlich: man stelle die Leute vor die Wahl einer zentralen Energieversorgung die regelmäßige Brennstofflieferungen braucht (beim AKW eben Uran oder sonstwas), die in der Hand ein paar weniger Firmen ist, oder einer dezentralen Stromversorgung, die KEINERLEI Brennstoff braucht und zudem zum Großteil in privater oder kommunaler Hand ist?
Das ware die eigentliche Frage, die es zu klären gibt. DANN kann man alle entsprechenden Konsequenzen ziehen. Und WENN ein Land die Energiewende in zehn Jahren durchziehen kann, dann ist es im Moment Deutschland (dank der letzten zehn Jahre Vorbereitung), und natürlich Japan, einfach weil die so ziemlich alles machen können was sie wollen, wenn sie nur wollen - und da besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie das tun. Und auch Japan wird dabei im übrigen sehr stark auf CH4 setzen, da dort eh schon viel mit Gas gemacht wird - Infrastruktur schon da, Probleme halbiert. Subbr.
PS.: wenn wir auch noch Autos mit Gas betreiben, brauchen Tankstellen nur noch n Gasanschluss statt regelmäßige Lieferungen per Tanklaster. Macht des Sinn bzw. geht des?
PPS.: weniger mit dem Schicksal hadern, mehr das Schicksal in die Hand nehmen, dann gibt's die großen Energieversorger auch in zwanzig Jahren noch. Wenn die ganzen "Experten" dieser Konzerne (und der Politik, Stichwort Megabremse Rösler) einfach mal alle an einem Strang ziehen würden, wär au scho viel besser, gell ...
10. Zehn Jahre Reichen Sehr Wohl Zum Ausstieg
01.04.2012, yoatmonDie EVUs hatten 15 Jahre Zeit sich den Gegebenheiten anzupassen und haben außer nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen auf die Kernkraft gesetzt und sonst absolut nichts gemacht.
11. Alle müssen mitmachen, dann schaffen wir die Energiewende in zehn Jahren.
02.04.2012, M. MeierZehn Jahre reichen, wenn wir ALLE beherzt anpacken. In Deutschland decken erneuerbare Energien 20 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, zehn Prozent des Wärmeverbrauchs und sechs Prozent des Kraftstoffverbrauchs. Japan hat es geschafft, innerhalb eines Jahres den Stromverbrauch um 20 % zu senken. Es ist also eine Menge möglich.
Zehn Jahre reichen nicht, wenn wir in Deutschland so weiter machen wie bisher: Windkraft ja - aber bitte nicht in meiner Gemeinde; Biogasanlagen ja - aber bitte nicht hier und auch nicht in der Nachbargemeinde; Strom sparen ja - aber bitte keine Energiesparlampen (sie sind nicht gemütlich); usw. Mit diesen "Dagegen"-Strategien erreichen wir die Energiewende in hundert Jahren nicht.
Es gibt viel zu tun. Wir müssen alle mitmachen; dann schaffen wir die Energiewende in zehn Jahren. Wenn wir warten, dass die "Anderen" für uns die Energiewende herbeizaubern, reichen zehn Jahre nicht.
12. Zehn Jahre reichen nicht zum Umstieg
03.04.2012, Alfred Sust13. Konrad Kleinknecht hat Recht
04.04.2012, Christoph BartheLüge 1: Im Abschlussbericht der Ethik-Kommission heißt es auf Seite 4: "Der Ausstieg ist nötig und wird empfohlen ... Er ist möglich, weil es risikoärmere Alternativen gibt."
Tatsächlich werden die im wesentlichen hier genannten Erneuerbaren Energien aber vorrangig für den Klimaschutz (also als Ersatz für z.B. Kohlekraft) gefördert, so steht es im EEG. Sie können deshalb nicht gleichzeitig auch als Lückenfüller für den Atomausstieg herhalten. Beides auf einmal geht nicht. Die faktische Alternative zum Atomausstieg nennt z.B. der BUND in seiner Liste aller in Bau oder in Planung befindlichen Kohlekraftwerke. Ob Kohlekraft aber im Hinblick auf den Klimawandel wirklich eine risikoärmere Alternative ist, kann man bezweifeln.
Lüge 2: Auf Seite 20 heißt es: " ... Es bleibt bei der ethischen Verantwortung, dem Klimawandel genauso ernsthaft entgegenzuwirken wie die Sicherheit der Energieversorgung zu gewährleisten. ... Eine Vermutung, diese Ziele (die Klimaziele) würden durch den Atomausstieg kompromittiert, ist nicht belegt." Als Beweis für diese Behauptung verweist die Ethik-Kommission auf das Europäische Emissionshandelssystem (ETS), bei dem die CO2-Emissionen in der EU bis 2020 gedeckelt sind, Mehremissionen in Deutschland also durch Minderemissionen in anderen Ländern ausgeglichen würden. Abgesehen von dem merkwürdigen Verständnis europäischer Klima-Solidarität, das die Kommission hier zum Ausdruck bringt, übersieht sie auch, dass das ETS derzeit praktisch wirkungslos, weil grandios überversorgt ist. Der Preis für die Tonne CO2-Emissionen ist seit dem Energiewendebeschluß nicht etwa gestiegen, sondern gesunken. Das Preissignal, das Ausgleichsinvestitionen in anderen EU-Staaten hätte auslösen sollen, existiert gar nicht. Im Gesetzentwurf zur Änderung des Atomgesetzes vom Juni 2011 wird auf die Ergebnisse der Ethik-Kommission ausdrücklich Bezug genommen. Das Parlament hat über die Energiewende also auf der Grundlage irreführender Informationen entschieden.