Es passiert alle paar Tage: Ein kleiner Asteroid zischt nahe an der Erde vorbei, regelmäßig sogar innerhalb der Mondbahn. Häufig werden diese erdnahen Kleinplaneten erst wenige Tage vor ihrem Vorbeiflug entdeckt. Die meist nur wenige Meter großen Brocken stellen keine ernsthafte Bedrohung dar und würden beim Eintritt in die irdische Lufthülle eine spektakuläre Lichtshow abliefern, aber keinen großen Schaden anrichten. Anders sieht es bei größeren Asteroiden von mehr als 100 Meter Durchmesser aus. Diese sind sehr viel seltener, dafür aber auch ungleich gefährlicher. Astronomen versuchen daher, ein möglichst detailliertes Bild von der Population dieser Himmelskörper zu bekommen.

Der Infrarotsatellit WISE
© NASA
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Wieder einmal springt hier der NASA-Infrarotsatellit WISE in die Bresche, der im Jahr 2010 den Himmel schärfer und empfindlicher als alle anderen Infrarotobservatorien zuvor durchmusterte. Er umläuft noch immer die Erde, doch ohne Kühlmittel wurde er in einen Ruhezustand versetzt und arbeitet nicht mehr. Astronomen werteten nun den Teil der WISE-Daten aus, welcher der Jagd nach erdnahen Asteroiden gewidmet ist.

Die Wissenschaftler untersuchten dabei so genannte potenziell gefährliche Asteroiden (englisch: potentially hazardous asteroids, PHA). Dies sind Objekte, die der Erde auf weniger als acht Millionen Kilometer nahe kommen und groß genug sind, um bei einem Einschlag Schaden auf regionaler oder globaler Ebene anzurichten. Aus einer Auswahl von 107 beobachteten PHAs schätzten die Forscher die Gesamtzahl dieser Himmelskörper mit Durchmessern von über 100 Metern auf zwischen 3200 und 6200 ab. Bisherige Untersuchungen ergaben ähnliche Ergebnisse, waren aber sehr viel gröbere Schätzungen und daher nicht so genau.

Schwarm der erdnahen Asteroiden
© NASA, JPL / Caltech
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Die Astronomen schätzen, dass mit den 1308 derzeit bekannten rund 20 bis 40 Prozent aller PHAs entdeckt sind, der Großteil lauert also weiterhin unerkannt im Weltraum. Die PHAs scheinen außerdem die Nähe der Erdbahnebene zu bevorzugen. Nach der neuen Untersuchung befinden sich doppelt so viele dieser Objekte wie bislang angenommen in geringfügig zur Erdbahnebene geneigten Umlaufbahnen. Sie befinden sich stets nahe der Erdbahnebene und können unserem Heimatplaneten so gefährlich nahe kommen.

Diese Objekte könnten ihren Ursprung im Hauptgürtel der Asteroiden zwischen den Bahnen der Planeten Mars und Jupiter haben. Möglicherweise kollidierten dort einst zwei Kleinplaneten und zerbrachen. Ihre Bruchstücke gelangten dann auf den gering geneigten Bahnen in Erdnähe.

Lindley Johnson, Chef des NASA-Beobachtungsprogramms für erdnahe Asteroiden weiß, dass noch viel Arbeit auf die Astronomen wartet und erklärt: "Diese Studie zeigt uns, dass wir begonnen haben, die Objekte zu finden, die eine echte Gefahr durch einen Einschlag auf der Erde darstellen. Wir müssen aber noch viele weitere entdecken; es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung in den nächsten Jahrzehnten alle Objekte zu finden, die potenziell Schaden anrichten können oder als Ziel für eine Mission in Frage kommen." Johnson spielt damit auf mögliche robotische oder bemannte Missionen zu erdnahen Asteroiden an, die dazu dienen, diese Objekte genauer und vor Ort zu erforschen.